„Picasso im Fotoporträt“: Eine vergnügliche Kölner Schau entdeckt den Künstler als Modell

Pablo Picasso - Audienz beim Jahrhundertgenie

Brassaï: Picasso vor Henri Rousseaus Porträt von „Jadwiga“, 1932.

Köln. Es gibt Ausstellungsthemen, die so nahe liegend sind, dass sie lange übersehen werden. Eines davon hat nun Kerstin Stremmel entdeckt: Pablo Picasso (1881-1973) im Fotoporträt. Die Kuratorin hat für die Schau im Kölner Museum Ludwig von 34 Fotografen 250 Aufnahmen aus sechs Jahrzehnten zusammengetragen.

Sie zeigen das Jahrhundertgenie bei der Arbeit in seinen Pariser und südfranzösischen Ateliers, als Spaßmacher und Verkleidungskünstler, der den Frauenhelden, Torero oder Indianer gibt.

Katherine Slusher schreibt im Ausstellungskatalog: „Ganz offenkundig wusste Picasso um die Faszination, die der Mensch hinter dem Werk auf das Publikum ausübt.“ Im Museum Ludwig können wir uns mit beidem beschäftigen. Denn neben der Sonderausstellung mit den Picassofotos verfügt das Haus über eine herausragende Sammlung von Werken des Künstlers. Die Gemälde belegen vom Frühwerk „Café in Montmartre“ (1901) bis zum Spätwerk „Liegender Akt mit Vogel“ (1968) alle Schaffensphasen.

Zwei plastischen Arbeiten begegnen wir im Original und als Fotomotiv. Die „Frau mit Kinderwagen“ (1950) hat Picasso aus Fundstücken montiert. Das Baby aus dem Kinderwagen hält Picasso auf einer Fotografie (1954) Lee Millers im Arm und gibt ihm einen Kuss.

Original Gipsmodell

Gar über Jahrzehnte hinweg taucht der „Frauenkopf“ auf Fotografien auf, den Picasso nach dem Vorbild seiner Lebensgefährtin Dora Maar formte. Das originale Gipsmodell (1941) steht in der Schau auf hohem Sockel.

Wie der berühmte Fotokünstler Brassai gehört der weltbekannte Fotograf und Surrealist Man Ray zu den ersten, die Picasso als Bildmotiv entdeckten. Weit verbreitet ist Man Rays Porträtaufnahme (1933), die Picasso zeigt, wie er den Kopf aufstützt und uns aus großen dunklen Augen interessiert anblickt. Diese faszinierenden Augen haben zahlreiche Fotografen nicht losgelassen. Etwa Irving Penn. Dessen Nahaufnahme (1957) zeigt Picasso mit Hut, den Mund und das Kinn hinter einem Kragen verborgen. Die rechte Gesichtshälfte liegt im Schatten, das linke Auge aber starrt uns groß an.

Die Mehrzahl der Fotografien stammt aus den 1940er- bis 1960er-Jahren. Die Bilderflut setzt 1944 nach der Vertreibung der deutschen Besatzer aus Paris ein. Damals begann Picassos Aufstieg zum Künstler, dessen Konterfei mindestens ebenso weltberühmt wie sein Schaffen geworden ist.

Auf den Fotos präsentiert sich der 1881 geborene, also schon recht alte Künstler als hellwach und quicklebendig, gern mit entblößtem Oberkörper und in Shorts oder Unterhose. Kuratorin Stremmel erläutert: „Als Reaktion auf das steigende Interesse an seiner Person wurde Picasso zum Regisseur seiner Fotografien, zum Requisiteur und Akteur gleichzeitig.“

Der Künstler lacht

Nur selten ließ er die Maske fallen. Einnehmendes Beispiel dafür ist Madame d’Oras Fotoporträt (1955), auf dem Picasso so herzlich lacht, dass einem sein Gesicht völlig fremd vorkommt.

Bis 15.1.2012 im Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Köln., Tel.: 0221-22 12 61 65, Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 34 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

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