Mieze von der Band Mia begeisterte im Kulturzelt in Wolfhagen

Mit Aufblasgitarre

Party im weißen Federbody: Sängerin Mieze beim Auftritt mit ihrer Band Mia im Kulturzelt Wolfhagen. Foto:  Hoffmann

Wolfhagen. Sie strahlt, sie kreischt, sie spielt. Mieze tut, wonach ihr gerade ist. Die Frontfrau der Berliner Kultband Mia macht ihr Ding, schert sich einen Dreck darum, dass am Samstagabend nicht einmal 300 Besucher zu ihrem Konzert ins Wolfhager Kulturzelt gekommen sind. „Wir wollen gerade nirgendwo anders sein als genau hier“, sagt sie, und alle nehmen es ihr ab.

Es ist diese unbekümmerte, rotzfreche Art, mit der die Sängerin ihre Fans packt und mitnimmt auf eine Reise in ihre eigene Welt. Eine Welt ohne Regeln, in der sie wie im gleichnamigen Hit ohne „Fallschirm“ fliegen will. So müssen sich Tommy und Annika gefühlt haben, wenn sie mit ihrer Freundin Pipi Langstrumpf die Villa Kunterbunt auf den Kopf gestellt haben - so, wie Mieze mit ihren Fans das Kulturzelt auf den Kopf stellt.

Die Unbekümmertheit und Leichtigkeit einer Lindgren-Göre steckten an, wenn Mieze die „Moleküle“ tanzen lässt, den „hungrigen Herzen“ Futter gibt oder mit „Mein Freund“ ihre Ode an die Freundschaft anstimmt. „Solch einen schönen Tag will man doch immer im Kreis seiner Liebsten verbringen“, ruft sie und erntet Zustimmung der mittlerweile wild tanzenden Konzertbesucher. Von einem schrägen Outfit schlüpft sie ins nächste, springt mal im weißen Federbody ausgelassen durchs zuckende Strobo-Licht, mal im schlichten Schlabbershirt, dann im goldenen Kitschkleid.

Ein Hauch Kitsch ist auch den Titeln ihres Erstlingswerks „Hieb & Stichfest“ (2002) nicht abzusprechen, die an die frühen Rosenstolz und ein bisschen an Neue Deutsche Welle erinnern und mit rotzigen Gitarren in die heutige Zeit gehievt werden. Ein wenig verrückt sind sie, ein Lied heißt sogar so und Mieze verkörpert dies auf sympathische Art, wenn sie ihr Publikum „ene-mene-miez“ mit Wasserpistolen bespritzt, ihren Bassisten auf Stelzen über die Bühne laufen lässt oder in „Alles neu“ wild die aufblasbare Plastikgitarre spielt.

„In Wolfhagen außer Rand und Band“, singt sie da und lädt alle ein, über sich hinauszuwachsen. Das tun die Zuschauer dann, wenn sie den „Hoffnungs“-Chor zelebrieren. „Aus Hoffnung kann Mut werden“, sagt Mieze. In ihrem Fall sogar Übermut. Der steht ihr ausgesprochen gut und vielleicht steckt gerade deshalb in einer Zeile des Songs so viel Wahrheit: „Schöner als heute kann es eigentlich nicht mehr werden.“

Von Sascha Hoffmann

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