Generalmusikdirektor Marc Piollet verabschiedet sich nach acht Jahren in Wiesbaden

Auferstehung zum Finale

In Topform zum Abschied: Marc Piollet. Foto: Felix Broede

Wiesbaden / Kassel. Nach acht überaus erfolgreichen Jahren am Wiesbadener Staatstheater hat Generalmusikdirektor (GMD) Marc Piollet mit Mahlers „Auferstehungssinfonie“ seinen Abschied gegeben. Er wurde mit Standing Ovations gefeiert.

Das Staatsorchester zeigte sich in Topform. Es folgte mit größter Aufmerksamkeit und Tonschönheit dem hoch konzentrierten Dirigat des ehemaligen Kasseler Ersten Kapellmeisters, der Mahlers vielschichtige, rauschhafte 2. Sinfonie zu einer wahren Sternstunde werden ließ.

Nicht jedem scheidenden GMD wird ein Adieu mit dröhnendem Applaus zuteil, mit ehrlichen Worten der Bewunderung und des Dankes: Für kontinuierliche, vorbildliche Arbeit, mit der Piollet die Leistungen des exzellenten Staatsorchesters noch einmal steigerte und Opernaufführungen, die szenisch nicht voll befriedigen konnten, aus dem Graben heraus zu optimalem Glanz verhalf, der Mängel rasch vergessen machte.

Der 1962 in Paris geborene Musiker besuchte Meisterkurse bei John Eliot Gardiner, Gerd Albrecht, Michael Gielen und Kurt Masur: Prominenten, die bestmögliche Schulung garantierten. Er arbeitete in Halle/Saale und am Staatstheater Kassel, wo er unvergessen ist, und zwei Jahre als Musikdirektor an der Volksoper Wien.

Eigenwillig, hochbegabt und durchsetzungsfähig, forderte Piollet von Musikern und Sängern wie von sich selbst optimale Leistungen. Er war kein „bequemer“ Lehrmeister: Alle bekamen in Wiesbaden bald zu spüren, dass hier einer fest die Zügel in die Hand nahm, der hohe Ansprüche stellte und nicht lockerließ, bis jeder Ton und Einsatz so saßen, wie er sie wollte. Das bedeutete harte Probenarbeit, die mancher nicht nur heimlich verfluchte und einige Choristen fast verzweifeln ließ: „Wahnsinn! Das werden wir nie schaffen!“ Und doch schafften sie es. Sogar vorbildlich.

Piollets bis ins Detail gehendes Ringen um Präzision und starke Klangfarben, um feinste Abschattierungen und sublime Gestaltung trug Früchte. Der Dirigent, der zu Gastspielen an die Wiener und Hamburger Staatsoper, die Opera Bastille Paris, die Vlaamse Opera Antwerpen, die Deutsche Oper Berlin und zu den Salzburger Festspielen eingeladen wurde und zunächst kein festes Engagement eingeht, brachte in der letzten Spielzeit mit großem Erfolg den „Rosenkavalier“, „Fidelio“, den „Barbier von Sevilla“ und „Simone Boccanegra“ heraus. Sein Nachfolger wird der Ungar Zsolt Hamar.

Marc Piollet dirigiert am 14. Januar 2013 in Kassel ein Programm mit Berg, Strauss und Wagner. Konzertkarten können wieder im September nach der Theaterpause gekauft werden, Tel. 0561/1094-222.

Von Britta Steiner-Rinneberg

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