„Rock Dust Light Star“ ist das vielseitige neue Album der Acid-Jazz-Band Jamiroquai

Aufgekratzter Glamour

Gern mit Hut: Jay Kay, Kopf von Jamiroquai Foto:  Mercury/ nh

Wie in der akustischen Achterbahn: Wenn sich der Titelsong auf Jamiroquais neuer Platte „Rock Dust Light Star“ hochfährt wie ein Plattenteller, der bei darüberkratzender Tonabnehmernadel auf Tempo gebracht wird, dann stellt sich schnell das Gefühl ein, kopfüber-kopfunter wieder angekommen zu sein im aufgekratzten Universum des Jay Kay. Und das ist ein äußerst angenehmes Gefühl - nach fünfjähriger Albumpause und nach Querelen des kreativen Kopfes der Acid-Jazz-Band mit seiner alten Plattenfirma Sony.

Ich bin erwachsen geworden, sagt der 41-Jährige, was ihn nicht davon abhielt, vor ein paar Wochen vor einem Auftritt in der britischen Show „X-Factor“ die Jurorinnen Cheryl Cole und Dannii Minogue in deftiger F-Wort-Sprache als unfähig zu titulieren. Sie seien schließlich musikalische Amateure. In der Show traten die Damen nach seiner Performance in den Klatsch-Boykott.

Nicht-Angepöbelte müssen dies nicht tun. Denn „Rock Dust Light Star“ ist ein fantastisch-vielseitiges Album geworden, das typische Stärken mit einer musikalischen Weiterentwicklung der Britencombo verbindet.

Die letzten Irokesen des Acid-Jazz, die seit 1992 27 Millionen Alben verkauft haben, pfeffern scharf akzentuierte Bläsersätze, detailreiche Arrangements, massive Funk-Beats und glamouröse Background-Sängerstimmen zu einer kraftvollen Melange zusammen. Jay Kay bekundet, für seinen Hubschrauberpilotenschein zwei Jahre in der Luft verbracht zu haben - offenbar sind jede Menge seiner troposphärischen Adrenalin-Ausschüttungen in dieses Album eingeströmt.

Etwa beim trockenen Pulsieren von „All Good In The Hood“ oder dem Album-Höhepunkt, dem Funk- und Soul-durchtränkten „Smoke And Mirrors“. „White Knuckle Ride“ strotzt vor glamourösen Disco-Sounds zu puckernder Bass-Linie. Dass das Album live aufgenommen wurde - mit einem Minimum an technischen Manipulationen, gibt ihm diese kraftvolle Energie.

„Goodbye To My Dancer“ wechselt ins Blues-Reggae-Fach, „Two Completely Different Things“ ist eine ganz große Nummer mit Bläsern, die Jay Kays charismatische, Benson-&-Hedges-umwölkte Stimme voll zur Geltung bringt.

„Blue Skies“ schließlich ist eine überraschend sanfte Ballade, wo eine Textzeile lautet: „There’s nothing but rainbows falling down on me all the time“ - die ganze Zeit fallen nur Regenbogen auf mich herab. Und das beschreibt diesen schrägen Typen ziemlich gut.

Jamiroquai: Rock Dust Light Star (Mercury/ Universal). Wertung: !!!!!

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.