August von Kotzebues „Kleinstädter“ als Jubiläumsinszenierung des Wehlheider Hoftheaters

Aufklärung in Krähwinkel

Von köstlicher Aktualität: Szene aus den „Kleinstädtern“ mit Frau Morgenrot (von links, Christiane Schuchhardt), Frau Staar (Eva-Marie Brodheim) und Frau Brendel (Magdalena Horn). Foto: Schoelzchen

Kassel. Zum Glück: Der junge Mann hat einen Titel, ist Geheimer Legationsrat! Dann steht der Verehelichung mit der Bürgermeistertochter Sabine ja nichts mehr im Wege. Am Ende von August von Kotzebues Lustspiel „Die deutschen Kleinstädter“ findet sich alles zum Guten. Karl Olmers und Sabine Staar dürfen heiraten.

Das Wehlheider Hoftheater hat die mehr als zweihundert Jahre alte Komödie zum Jubiläumsstück anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Amateurtheaters gewählt und damit einen guten Griff getan, denn das Stück ist nicht nur völlig unverstaubt, sondern auch von hübscher Konstruktion, schnellem Ablauf und trefflichem Wortwitz.

Bei der ausverkauften Premiere am Samstagabend im Cassalla-Theater in der Jordanstraße agierte in dieser Perle deutschen Lustspiels, die Goethe in Weimar abgelehnt hatte, eine quicklebendige Schauspieltruppe. Im Kleinstädtchen Krähwinkel ist die Welt noch in Ordnung, man hält sich für zivilisiert. Wer keinen Titel hat wie Bau-Berg- und Weg-Inspektors-Substitut Sperling (Eberhard Horn, der auch Regie führte) oder Ober-Floß- und Fisch-Meisterin Brendel (Magdalena Horn), der kann nichts werden in dem spießigen Nest.

Sperling soll mit Sabine (Kristin Zaun) verlobt werden, doch die hat in Berlin Karl Olmers (Christian Wagner) kennen- und lieben gelernt. Der kreuzt auf und wird für den inkognito reisenden König gehalten. Die große Ehrerbietung freilich endet abrupt, als sich dies als Irrtum herausstellt. Erst als er verspricht, dem Bürgermeister aus einer misslichen Lage zu helfen und dabei mit seinem Titel herausrückt, wendet sich das Blatt. Die Spießbürger sind blamiert, die Aufklärung setzt sich durch.

Die Laienschauspieler sorgten für einen überaus unterhaltsamen Abend mit viel Gelegenheit zum Lachen. Eine Aktualisierung war nicht nötig, der Witz des Stückes sprach für sich. Wenn einer Darstellerin der Lorbeer des Abends gebührt, dann Eva-Marie Brodheim als Großmutter Staar. Köstlich von A bis Z, wie sie die eigentliche Regentin der heiteren Vorkommnisse spielte.

In weiteren Rollen traten Thomas Gerner als Bürgermeister Staar, Werner Kanturek als Großonkel Staar, Christiane Schuchhardt als Klatschbase Morgenrot und Anja Gall als Dienstmädchen Margarete auf.

Wieder am 2., 4., 10., 11., 16., 17., 18. September, www.wehlheider-hoftheater.de

Von Johannes Mundry

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