Matias Faldbakken bespielt das Erdgeschoss des Fridericianums

Matias Faldbakken bespielt das Erdgeschoss des Fridericianums

Grauschleier: Ein Blick in die Matias-Faldbakken-Ausstellung. Fotos:  Herzog

Kassel. „Ich bin ein Vandale“, hat der 36-jährige norwegische Schriftsteller und Künstler Matias Faldbakken mal in einem Interview gesagt. Und wie nach einem Akt des Vandalismus fluchtartig hinterlassen - so sieht das Erdgeschoss des Fridericianums derzeit aus.

Natürlich ist dieses Bild der Destruktion, der Zerstörung, Absicht. Faldbakken hat für seine Ausstellung „That death of which one does not die“ 25 Müllsäcke, auf die er scheinbar flüchtig mit Markern und Tape Buchstaben und Abkürzungen geklebt hat, präzise gerahmt. So weit, so museal. Im zweiten Raum verwandelt sich jedoch diese geordnete Hängung in Chaos. Die Säcke liegen hier einfach am Boden.

Zuletzt hat Faldbakken gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Anders Nordby einen Feuerlöscher geleert. Alles ist mit einem Grauschleier überzogen, der Besucher hinterlässt seine Fußspuren auf dem Boden, trägt das Pulver hinaus.

Wie Faldbakken mit der traditionsreichen Geschichte des Fridericianums spielt, den musealen Raum nutzt, um die Konventionen der Kunstpräsentation zu untergraben und sich ihnen zu verweigern, das ist durchaus sehenswert - im Spannungsfeld von Spontaneität und Dauer, Persiflage und Ablehnung.

Faldbakkens unauffälligere Arbeit in der Rotunde hinterlässt einen zwiespältigeren Eindruck. Hier hat er eine Ausgabe des britischen Magazins „Economist“ eingescannt und allen abgebildeten Personen Hitler-Bärtchen aufgemalt: eine eher pubertäre Geste, deren Erkenntnisgewinn bescheiden ist.

Von Mark-Christian von Busse

Ausstellungen laufen bis 14.11.

Beide Ausstellungen sind bis 14. November zu sehen. Öffnungszeiten: Mi-So 11-18 Uhr, Informationen: Tel. 0561/7072720, www.fridericianum-kassel.de

Einstündige kostenlose Führungen sonntags, 15 Uhr. Ausstellungsgespräche 14-tägig mittwochs, zuerst am 1.9., 15 Uhr: „Was soll das - Ketten und Leder?“

Workshops werden angeboten für Schulklassen und Gruppen, Jugendliche und junge Erwachsene (zu Monica Bonvicini) und für Kinder bis 12 Jahren („Das ist doch nur ein Müllsack!!! Oder?“).

Kontakt: Sandra Ortmann: Tel. 0561/7072789. (vbs)

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