Aufregend: Das Jazzfest Göttingen mit Michael Wollnys [em]

Jung, wild und kreativ: Pianist Michael Wollny mit Bassistin Eva Kruse im Deutschen Theater. Foto: Angerstein

Göttingen. Volles Haus, wie jedes Jahr, beim Göttinger Jazzfestival: Und man merkte den Musikern am Samstagabend an, wie sehr sie den Raum, die Atmosphäre und das Publikum im Deutschen Theater schätzen.

Maria João und Maria Laginha, gerade aus Prag zurückgekehrt, waren eigentlich sehr müde, „aber jetzt mit euch“, da liefen sie doch noch zu Höchstform auf.

Die portugiesische Sängerin João ist vor allem auch Performance, sie tanzt, sie stöhnt, sie haucht, sie krächzt, sie schreit, während sie eindrucksvoll demonstriert, wozu die menschliche Stimme in der Lage ist. Ein ganzes Panoptikum verschiedener Stimmen in verschiedenen Sprachen und Klangfarben war da auf der Bühne präsent.

Und mit ihrem Pianisten Laginha versteht sie sich blind, lässt ihm viel Raum zur Improvisation, bevor sie ihn wieder zum Duett auffordert und die nächsten gemeinsamen Skalen durch den Raum perlen. Es war nur ein bisschen zu sehr Leistungsschau, und zu viel verträumtes Pathos, was da aus den Stücken sprach. Beeindruckend zwar, doch blieb man seltsam unbewegt. Dennoch Riesenapplaus, nur das musikalische Fundament hätte gern auch etwas abwechslungsreicher sein können.

Aber das ist Geschmackssache, und außerdem kam danach ja Michael Wollny mit seiner Formation [em] auf die Bühne, und dieser Mann hat keine Angst vor Dissonanzen. Was der Pianist da mit Eric Schaefer am Schlagzeug und Eva Kruse am Kontrabass veranstaltete, war schon enorm. Dynamisch, druckvoll, groovig und mit vollem Körpereinsatz auch in den Innereien des Flügels wühlend. Starke Stücke voll origineller Details. Das aufregendste Klaviertrio, das der Rezensent seit Jahren gehört hat.

Von „White Out“ über „Dario“ und „Metall“, den „Phlegma-Phighter“, eine Schubert-Ballade, eine Mahler-Symphonie, ein „Cembalo Manifest“ bis hin zum fulminanten „Wasted & Wanted“, man war gebannt, fasziniert und beglückt. Eine junge, wilde und außerordentlich kreative Truppe, das hört und sieht man gern. Den Abend beschloss dann das Roy Hargrove Quintett, das mit solidem und exzellentem Bebop und Hardbop überzeugte.

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