Neu im Kino: Leander Haußmanns Komödie „Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!“

Aufstand der Alten

Dies ist kein Wettbewerb der komischen Frisuren, sondern eine Leander-Haußmann-Komödie: Lena Braake (Eva-Maria Hagen) und Johann Schneider (Ezard Haußmann, Mitte) wollen von dem skrupellosen Banker Tobias Hardmann (Daniel Brühl) einen Kredit. Foto: Constantin

Einen alten Baum kann man nicht mehr verpflanzen. Deshalb kommt es für Lena Braake (Eva-Maria Hagen) einer Katastrophe gleich, als sie ihr schmuckes kleines Häuschen verliert und im Altersheim landet. Der skrupellose Banker Tobias Hardmann (Daniel Brühl) hat die gutgläubige alte Dame gelinkt und sie um einen selbstbestimmten Lebensabend betrogen.

Lena droht sich aufzugeben, als sie Johann Schneider (Ezard Haußmann) kennenlernt, der im neuen Domizil zum Leidwesen von Heimleiter Piretti (Tom Gerhardt) die Puppen tanzen lässt. Lena kennt nur ein Ziel, sie will ihr Häuschen zurück. Und Johann ist genau der richtige Mann, wenn es um das Schmieden großer, riskanter Pläne geht.

Schlagkräftig verstärkt durch etliche weitere Heimbewohner (Nadja Tiller, Walter Giller, Heinz Meier) schickt sich die Braake-Bande an, den Bankern ein Schnippchen zu schlagen. Weil das böse Spiel der Finanzhaie viel größere Dimensionen hat und einzelne Häuschen dabei nur Peanuts sind, erfolgt auch der Gegenschlag im ganz großen Stil.

Inspiriert wurde die Geschichte der „Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!“ von der deutschen Fernseh-Komödie „Lina Braake“, in der 1975 Lina Carstens und Fritz Rasp brillierten. Leander Haußmanns Neuauflage ist eine Liebeserklärung an Senioren im Allgemeinen und seinen Vater Ezard im Besonderen. Selbstverständlich unterwirft der Regisseur („Sonnenallee“, „Herr Lehmann“) die Braake-Version seinem typischen Sinn für Humor, er hat ja nur den einen.

Subtilität spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Bei Haußmann werden alle Charaktere überhöht, und die alten Herrschaften dürfen nach Herzenslust herumblödeln. Das ist lustig, kurzweilig und unterhaltsam, Bodenhaftung hat es leider nicht. Momente der Tiefe konterkarieren den Spaß zunehmend seltener. Und manchmal weiß man nicht mehr so genau, ob man mit den greisen Hauptdarstellern lacht oder über sie.

Schade, denn mit einem Ausnahme-Ensemble wie diesem hätte man den längst fälligen Aufstand gegen das Finanzwesen auch glaubhafter proben und trotzdem viel Freude haben können. „Dinosaurier“ ist ein Kind jener Spaßgesellschaft, die uns irgendwann auch die Zocker in Nadelstreifen beschert hat, denen nichts mehr heilig ist. Oder bringt Haußmann zum Ausdruck, dass ein Aufbegehren gegen die Macht des Geldes heute nur noch eine schöne Illusion ist? Dann würde der Inhalt die Form freilich rechtfertigen.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab sechs

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von André Wesche

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