In Klagenfurt wird der Bachmann-Preis ermittelt

Auftakt für das Lesen um die Wette

Burkhard Spinnen

Klagenfurt. Heute beginnen in Klagenfurt die Veranstaltungen zum Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Robert Schindel wird die traditionelle Rede über die Dichterin halten. Vom 7. bis 9. Juli werden dann vor Fernsehkameras – 3sat überträgt alle Lesungen und Diskussionen wunderbarer Weise wieder live – 14 Teilnehmer je einen knapp halbstündigen, unveröffentlichten Text lesen und sich der Jury stellen.

Jeder Juror konnte aus hunderten Bewerbungen zwei Autoren einladen. Den Vorsitz des Preisgerichts führt der bewährte Burkhard Spinnen, der selbst schon in Klagenfurt gelesen hat. Mit ihm werden wie im Vorjahr Meike Feßmann (Berlin), Paul Jandl (Wien), Hildegard E. Keller (Zürich), Daniela Strigl (Wien), Alain Claude Sulzer (Basel) und Hubert Winkels (Düsseldorf) über die Texte diskutieren und am Sonntag, 10. Juli, ab 11.30 Uhr nach dramaturgisch gut eingerichteten Regeln die Preisträger ermitteln. Auch das wieder live auf 3sat.

Von den Autoren haben acht Berlin als Wohnort angegeben – irgendwie konzentriert sich das schon beängstigend. Nur ein Schweizer ist dabei (Michel Bozikovic), drei Österreicher (Maja Haderlap, Julya Rabinowich, die in St. Petersburg geboren ist, und Daniel Wisser). Gunther Geltinger kommt aus Köln, Anne Richter aus Heidelberg. Unter den Berlinern vielleicht einer der Favoriten: Maximilian Steinbeis. Mit seinem Roman „Pascolini“ hat er Aufsehen erregt, als Betreiber eines Verfassungsblogs nimmt der Volljurist Karlsruher Entscheidungen in sein fachkundiges Visier.

Die in Borken/Westfalen geborene Antonia Baum (Jahrgang 1984) ist die Jüngste, der in Berlin lebende Schweizer Krimiautor Linus Reichlin gehört mit 54 eher in die Generation der Juroren. Die meisten haben schon Bücher veröffentlicht. Klagenfurt ist kein Sichtungslehrgang, in dem Talente über den Steg laufen. Fast alle der Jüngeren haben in Leipzig oder Hildesheim Kreatives Schreiben studiert, wie Thomas Klumpp, der als wissenschaftlicher Assistent am Hildesheimer Literaturinstitut arbeitet.

Im Schatten des Wettbewerbs werden Kontakte geknüpft, Projekte vorbereitet, die Daumen über Autoren und Titel gehoben oder gesenkt. Es geht unter der meist zu heißen Sonne südlich der Alpen entspannter zu als auf den Buchmessen in Frankfurt oder Leipzig, weniger kritisch ist man an der Drau nicht. http://bachmannpreis.eu

Von Harald Loch

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