Mit dem Charme eines Lümmels

Auftritt des Liedermachers Falk im Schlachthof

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Vorzeige-Schwiegersohn mit frechen Analysen: Liedermacher Falk beim Auftritt in Kassel.

Wissenschaft oder Musik-Kabarett? Zwei Seelen pochten in Falk Plücker, nachdem er Philosophie und Geschichte studiert hatte. Der Liedermacher Götz Widmann, dem er einige Proben seines ironischen Talentes geschickt hatte, ermutigte ihn, nahm ihn als Vorprogramm mit auf Tour.

Mittlerweile hat der Wahlberliner Falk aus Wuppertal fünf Alben rausgebracht, tritt solo auf – und das sehr erfolgreich. Zu Recht. Seine Texte und Lieder haben Biss, subtilen Witz und bisweilen eine so köstliche Boshaftigkeit, dass man einfach lachen muss. Dabei sieht der 35-Jährige so brav und nett aus wie ein Vorzeige-Schwiegersohn.

Am Freitag trat Falk vor knapp 70 Besuchern im Schlachthof auf. „Ich reg‘ mich nicht mehr auf“, heißt sein Programm, und sogleich möchte man Einspruch einlegen. Im ersten Stück singt er über „meine Frau, die Psychologin, die mich ständig therapiert“ und fragt anschließend: „Ist noch jemand hier, der unglücklich verheiratet ist?“

Kaum rosiger fällt seine Freundschafts-Bilanz aus: „Kai ist ein Klugscheißer, Hannah hat einen Damenbart und Jörg ist unausstehlich, seitdem er nicht mehr raucht.“ Falks Stücke, die er zur Gitarre singt, haben Lümmelcharme. Worüber er auch herzieht, man kann ihm nicht böse sein, Lachen ist Trumpf.

Auch, als er grinsend seine Freizeitaktivitäten besingt: „Batterien in den Kompost werfen, fremden Menschen heimlich beim Sex zusehen, auf der Säuglingsstation Babys vertauschen.“

Auch als Kabarettist schlägt Falk sich gut, ist eloquent, schlagfertig und sehr unterhaltsam: „Ich möchte, dass sich am Ende jeder hier beleidigt fühlt. Wer nicht, der komme nach dem Konzert zu mir.“ Doch Falk ist nicht nur auf Lacher aus: „Ich und du, wir haben so viele Fehler gemacht“ singt er und wirkt dabei überraschend ernsthaft –zumindest kurzfristig. Als er darüber singt, wie man zu Geld kommt, ist er schon wieder der Alte: „Ich habe geerbt, endlich ist die Familie mal zu was gut.“ Auch „ein Abschiedslied für eine aussterbende Art“ hat er im Köcher: „Raucher iiiihh – ein eckliges Pack.“ Lang anhaltender Beifall, Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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