Berliner Folk-Band spielte im Kulturzelt

Die Magie der Mighty Oaks: zauberhafte Geschichten und unverstellte Musik

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Egal wie warm es auch im Kulturzelt war, die Wollmütze blieb auf: Ian Hooper, Sänger der Band Mighty Oaks. 

Kassel. Es geht ihnen nur um Musik, sagt Ian Hooper, und so singen und spielen Mighty Oaks auch. Das Besondere an ihrem Auftritt im vergleichsweise kleinen Kasseler Kulturzelt am Donnerstagabend: Er fühlt sich - obwohl ausverkauft - so vertraut an, wie ein netter Abend mit guten, alten Freunden.

Die erste Tour, nach dem Erfolgsalbum „Howl“ mit dem eingängigen Folk-Rock-Hit „Brother“, der sich elf Wochen in den Charts hielt, liegt hinter den Mighty Oaks. Zwei Jahre waren der Amerikaner Hooper und seine Bandkollegen, der Italiener Claudio Donzelli und der Engländer Craig Sounders, auf den Bühnen der Welt unterwegs. Jetzt haben die in Berlin lebenden Musiker ein zweites Album nachgelegt - „Dreamers“.

„Howl war das Album für intime Lagerfeuer, Dreamers ist eher für die Reise“, so Hooper in einem Interview. Vor allem aber sind die neuen Songs melancholischer, nachdenklicher. Das Klavier ist jetzt präsenter als die Gitarren. Die Mischung der Songs aus beiden Alben liefert den Sound für einen tollen Sommerabend. Der wird nicht nur von einer Mischung aus Folk, Country und Rock - irgendwo zwischen Americana, schottischer Straßenmusik und Irish-Pub - getragen, sondern auch von der freundlichen Art der Musiker.

Und als der Sänger, der aus Gig Harbor westlich von Seattle stammt, sich an den ersten Auftritt im Kulturzelt (2014) erinnert und sagt, „wir werden jetzt als Band so alt, dass wir uns wiederholen“, als er sich dann fast spitzbübisch freut, dass zahlreiche der Zuschauer schon damals im Kulturzelt dabei waren („Das ist ein cooles Gefühl und ein gutes Zeichen“), hat er das Publikum für sich eingenommen. Spätestens, als er davon erzählt, dass er als Amerikaner am liebsten in einer Klimaanlage leben würde und dass das die anderen Bandkollegen im Tourbus zu spüren bekommen - und dann „Call Me A Friend“ anstimmt, würde man zu gerne gleich, gut gelaunt, eingepackt in Schal und dicken Pulli, mit den Jungs auf Tour gehen.

Hoopers Stimme klingt nie wirklich zerbrechlich, aber empfindsam, intim, warm und direkt. Vor allem beim Song „You Saved My Soul“ entsteht Magie. Toll das vertraute Zusammenspiel des Trios mit Schlagzeuger Joachim Förster und mit Sebastian Schlecht, bei dessen Geigen- und E-Bratschespiel die dunklen, längeren Haare schon mal wild fliegen. Dabei sieht der kleinere, etwas untersetzte Musiker aus wie das Gegenteil von Pop-Geiger-Schönling David Garrett.

Mit ihren Songs liefern sie zauberhafte Geschichten menschlicher Begegnungen. Die Texte handeln von der Sehnsucht („All I Need“), vom Wunsch, daheim zu sein (das fast orchestrale „Horsehead Bay“), vom Älterwerden, von Abschieden, der Freundschaft („Raise A Glass“) und der Liebe.

Die Mighty Oaks brauchen keine große Show, sie machen einfach nur Musik - nah, authentisch, unverstellt, wenig überraschend und gerade auch deshalb wundervoll.

Termine: Myles Sanko, Samstag, 19.30 Uhr. Sonntag, 19.30 Uhr, Asaf Avidan. Karten an der Abendkasse. www.kulturzelt-kassel.de

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