Ein Experiment:

"Plasma-Konzert" mit Michael Kravtchin im Alten Zollamt

Impressionistisches Werk im Lichterspiel: Pianist Michael Kravtchin. Foto: Schachtschneider

Kassel. Klassische Musik ist nicht nur etwas für Ältere, davon ist Helmut Simon fest überzeugt. „Wenn man ein Konzert in einen Club- oder Kneipenabend einbindet, entsteht eine intensive, oft fast intime Atmosphäre.“

Im Frühjahr 2011 erfand der 32-Jährige zusammen mit dem Konzertverein Kassel die Reihe „Plasma“: Crossover-Experimente zwischen Club und Kammerkonzert, Licht und Klang, E- und U-Musik. Das mittlerweile dritte Konzert, diesmal im Alten Zollamt am Kulturbahnhof, war am Dienstagabend gut besucht.

Entspannt auf Biertischen lehnend oder auf dem Boden des kaum mehr als klassenzimmergroßen Raums sitzend, verfolgten 80 jüngere und ältere Zuhörer aus nächster Nähe, wie Pianist Michael Kravtchin „L’Isle Joyeuse“ von Claude Debussy interpretierte: Eindringlich und ganz im Dienst der Musik spielte er das fingerbrechend schwere Stück gleich dreimal hintereinander.

Spiel von Licht und Schatten

Maren Hütteroth und Florian Machner (Kasseler Künstlergruppe Projektor) setzten das impressionistische Werk in ein wechselndes, meist abstraktes Lichterspiel um. Den Pianisten umgab ein Meer aus weißen Punkten und Wellenfiguren. Beim dritten Mal flackerten weiße und rote Linien über die Wand hinter dem Flügel.

Entsprechend geriet auch die Interpretation ekstatischer, kantiger. „Das Spiel von Licht und Schatten hat mich sehr inspiriert“, sagt Michael Kravtchin. „Gerade bei Debussy ist es gut übertragbar.“

Zwischendrin knüpften die DJs Christiane Kornhaß und Tobias Voß mit elektronischen Beats an Debussys Klaviermusik an - ein gewagtes Experiment, das für viel Applaus sorgte. „Die Plasma-Reihe gefällt mir“, sagt ein Konzertbesucher zum Schluss, „Die Barrieren zwischen den Interpreten und den Zuhörern werden einfach sehr gut abgebaut.“

Von Felix Werthschulte

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