Buch von Roger Willemsen

Afghanistan jenseits des militärischen Blickwinkels

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Roger Willemsen

Roger Willemsen hat sich in Afghanistan verliebt. Das Land am Hindukusch und vor allem seine Menschen lassen Deutschlands Vorzeigeintellektuellen nicht los. Der 58-Jährige ist bemüht, Afghanistan jenseits des militärischen Blickwinkels zu zeigen.

Im Buch „Es war einmal oder nicht“ wählt Willemsen einen Zugang über die, die oft aus dem Fokus geraten: Kinder. Ergänzt werden die Lebensgeschichten der Jüngsten und die Erlebnisse Willemsens mit zahlreichen Zeichnungen.

Die Kinder zeichnen ein friedliches Land, Picknicks, Blumenwiesen, Brunnen und idyllische Landszenen ebenso wie Mädchen, die Basketball oder Fußball spielen. Dann gibt es die vielen Zeichnungen, die vom Krieg erzählen, vom Schießen und Sterben, vom Leid und vom Elend.

Eine große Rolle – im Bild wie im Text – spielt die Schule. Bildung, das ist die Botschaft von Willemsen und den Kindern, ist die Hoffnung, auf die das geschundene Land setzen kann, nein, setzen muss. Da passt es, dass der Bucherlös an einen Verein geht, der sich für Mädchenschulen einsetzt.

Willemsen erzählt bildhaft und elegant, die große Politik streift er nur am Rande – dann aber deutlich, wie etwa mit einer Absage an die Behauptung von Minister Dirk Niebel, Entwicklungsprojekte seien nur unter dem Schutz der Bundeswehr möglich.

Er ist sich bewusst, dass der Eindruck entstehen könnte, er würde die Kinder instrumentalisieren. Er begegnet ihm schon auf der Umschlagseite: „So empfindlich ich bin, wenn man mit Kindern versucht, Mitleid zu erregen, so konnte ich doch nur kapitulieren vor der Lebensklugheit und Reife, der Liebenswürdigkeit und Vitalität dieser Kinder.“

Wer das Buch gelesen hat, dem wird es genauso gehen. Willemsen ist es gelungen, einen anderen Blick auf Afghanistan zu lenken, indem er die Jüngsten sprechen lässt. Es wäre schön, wenn ihre Stimmen bei uns gehört würden. Roger Willemsen: Es war einmal oder nicht: Afghanische Kinder und ihre Welt, 256 S., S. Fischer, 19,99 Euro.

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