Neues Album veröffentlicht

Kasseler Künstlerin Lea fordert: „Musik sollte ein Hauptfach sein“

Wurde durch einen Song im Internet berühmt: 2009 berichteten wir bereits über Sängerin Lea.

Kassel. Popsängerin Lea ist derzeit überall: Im Kino hört man ihren Song, ihr zweites Album ist erschienen und auf Bühnen der Region steht sie auch.

Für Lea läuft es rund: Ihr neues Album „Zwischen meinen Zeilen“ erscheint heute und für den Kinofilm „Das schönste Mädchen der Welt“ singt sie den Song „Immer wenn wir uns sehn“. Doch auch, wenn viele Konzerte ihrer Tour ausverkauft sind, erinnert sie sich gut an Zeiten, in denen es nicht so rund lief. Im Interview verrät Lea, die zwar jetzt in Berlin lebt, aber aus Kassel stammt, was sie an ihrer Heimatstadt vermisst.

Kassel, Hannover, Berlin. Wie ist es in Ihrer neuen Heimat?

Lea: Ich habe drei Heimatgefühle. Kassel wird immer die Heimat bleiben. Dann Hannover, wo ich fünfeinhalb Jahre gelebt habe, und jetzt in Berlin fühle ich mich sehr wohl. Ich bin ein Mensch, der sich gut anpassen kann. Und ich glaube, es sind die Leute, die Heimat ausmachen. Ich komme häufig nach Kassel und sehe meine Eltern und Freunde.

Bald treten Sie in Ihrer Heimatstadt Kassel auf. Wie fühlt sich das an?

Lea: Besonderer als in anderen Städten, weil man die Stadt in- und auswendig kennt. Es kommen viele Freunde, Familie und überhaupt ganz viele Menschen, die man kennt. Ich bin aufgeregter, wenn ich vor Menschen singe, die ich kenne. Aber ich freue mich megakrass, in meine Heimatstadt zu kommen und zu spielen. Ich habe noch ein paar Freunde in Kassel. Viele sind gegangen und wiedergekommen. Kassel ist so eine Stadt, aus der man erst mal weggeht, um dann zu merken, wie schön sie ist.

Sie sind eine Ausnahme: Es gibt bei den Singer/Songwritern zur Zeit viel mehr Männer in den Charts als Frauen.

Lea:Darüber denke ich viel nach. Um so schöner ist es, den Weg ein kleines Stück für andere Frauen zu ebnen. Ich habe da kein Konkurrenzdenken und glaube, die Frauen gewinnen an Relevanz in der Popmusik. Ich habe viele Künstlerinnen-Freundinnen, die in den Startlöchern stehen. Da wird noch einiges kommen.

Wie beschreiben Sie die Musik auf „Zwischen den Zeilen“?

Lea:Ich bleibe mir treu. Das Songwriting ist ein Teil von mir. Auch wenn ich vermehrt mit Freunden geschrieben habe, ist es meine Sprache und es sind meine Geschichten. Musikalisch habe ich mich stiltechnisch mehr gefunden, es ist tanzbarer, leichtfüßiger, aber trotzdem tiefgründig.

Ist das Songschreiben eine Art Therapie für Sie?

Lea: Absolut. Man erlebt ständig neue Sachen. Vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen sind das, worüber ich viel nachdenke und schreibe. Liebe, Freundschaft, Trennungen – was am intensivsten ist im Leben.

In „Immer wenn wir uns sehn“ geht es um Sehnsucht. Wie schwer fällt es Ihnen, über Gefühle zu singen?

Lea: Es fällt mir nicht schwer, weil es am ehrlichsten ist. Ich singe darüber, wie es mir geht. Dadurch macht man sich natürlich verletzlich, aber es überwiegt das Gefühl, dass andere Menschen durch die Lieder stärker werden.

Kann Musik die Welt verändern?

Lea: Musik verbindet alle Menschen, deswegen kann Musik die Welt verändern. Aber das Denken in den Köpfen muss auf andere Art verändert werden. Das Besondere an Musik ist, dass sie gefühlt werden kann – egal, welche Herkunft, Religion oder politische Ansicht jemand hat. Sie hat eine Botschaft, auch meine Songs haben eine.

Aber keine politische.

Lea: Politisch im krassen Sinne nicht, aber es geht auch darum, dass man aufeinander achten und sensibel sein sollte.

Bei „Leiser“ geht es darum, dass jemand seine innere Stimme nicht hört. Fällt es Ihnen schwer, sich selbst zu hören?

Lea: Nein, tatsächlich würde ich sagen, bin ich relativ klar mit mir. Ich bin nicht der Typ, der nachts betrunken den Ex-Freund anruft. Wobei das okay wäre, wenn es sich gut anfühlt. Ich merke, was mir gut tut und was nicht – und lasse das dann.

Wann wurde Ihr Herz zuletzt gebrochen?

Lea: Uhi! Vor zwei Jahren. Das ist tatsächlich etwas, was sehr doll mit in das Album eingeflossen ist – man wird es einigen Songs anhören.

Milky Chance und Sie gingen zur Jacob-Grimm-Schule in Kassel. Wie wichtig war die musikalische Förderung dort?

Lea: Für mich war es extrem wichtig, dass ich auch dort gut an die Hand genommen wurde. Solche Nebenfächer – wie sie in Deutschland heißen und was ich nicht ganz verstehe, denn Musik sollte ein Hauptfach sein – sollten ernstgenommen werden. Ich höre, dass es an manchen Schulen keinen Musiklehrer gibt und zum Beispiel Mathelehrer den Unterricht dann einfach mitmachen – so funktioniert das nicht.

2009 haben wir das erste Mal über Sie geschrieben – es ging steil nach oben.

Lea: Mein Leben hat sich um 180 Grad gedreht. Alles ist viel größer geworden. Ich bin total froh, dass ich weiß, wie es noch vor vier Jahren war, als in Saarbrücken nur vier Menschen zum Konzert kamen. Das war enttäuschend. Aber egal, wie viele Menschen da stehen: Für diese vier Leute habe ich genauso eine gute Show hingelegt wie für 300. Es ist aufregend, viel unterwegs zu sein, aber ich werde mich deswegen nicht verändern.

Wurde durch einen Song im Internet berühmt: 2009 berichteten wir bereits über Sängerin Lea.

Was vermissen Sie an Kassel?

Lea:Meine Familie – das Vertraute. Ich vermisse etwas, was mir in anderen Städten nicht fehlt – die Geschichten, die ich in den Straßen sehe: Wie ich mit 13 Jahren alleine in die Innenstadt und mit 16 mit dem Rad zum Badesee Bühl gefahren bin. Das hat man in anderen Städten nicht, da schreibe ich jetzt neue Geschichten.

Lea live: Samstag, NDR2 Soundcheck, Junges Theater, Göttingen. 23.10. Musiktheater Kassel, Karten: 0561 / 203204.

Lea: Zwischen meinen Zeilen (Four Music/Sony)

Lea heißt bürgerlich Lea Marie Becker (25) und stammt aus Kassel. Die Tochter eines Musiktherapeuten machte ihr Abitur an der Jacob-Grimm-Schule in Kassel und wurde als 16-Jährige schlagartig durch ihre durch Mitschüler ins Internet gestellte Pianoballade „Wo ist die Liebe hin“ bekannt. Nach der Schulzeit ging Lea für ein halbes Jahr nach Argentinien und studierte Sonderpädagogik in Hannover. 2016 erschien ihr Debütalbum „Vakuum“. Lea war Backgroundsängerin bei Mark Forster, stand mit Glasperlenspiel und Seven auf der Bühne. Ihr Song „Leiser“ wurde zum Radiohit und „Wohin willst du“ kam in Zusammenarbeit mit dem DJ-Duo Gestört aber Geil auf Rang 11 der Charts. 2018 nahm sie mit dem Schauspieler Aaron Hilmer (Cyrill) das Lied „Immer wenn wir uns sehen“ für den Film „Das schönste Mädchen der Welt“ auf. Seit vier Monaten lebt sie in Berlin.

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