Ausbruchsversuche aus dem Ich: "Traumfetzen" mit dem Wehlheider Hoftheater

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Frauen auf dem Weg der Selbstfindung: Hier sind es Kathleen Kohlmeyer als Dodo (links) und Michelle Pilz als Arlette. Foto: Zgoll

Kassel. „Halt deinen Mund“, fährt Dodo (Kathleen Kohlmeyer), die von ihr gefesselte und auf dem Boden kauernde Vivienne (Lena Hartmann) an und schiebt eiskalt hinterher: „Wenn wir entschieden sind, dich zu töten, werden wir es tun.“

Mit „wir“ meint die zuvor so hilflose junge Frau ihre Puppen. Von Vivienns Freundin Arlette (Michelle Pilz) wird sie wie eine Sklavin gehalten. Sprechen tut sie eigentlich nie. Und nun diese Wandlung.

Klingt nach einem Thriller, was das Wehlheider Hoftheater unter dem Titel „Traumfetzen“ seit Samstag auf die Bühne bringt. Die erfolgreiche Premiere wurde im gut gefüllten Cassalla-Theater gefeiert. Stichwort Thriller: Nein Entwarnung. Das Stück aus der Feder von Gertrud Rohloff-Hecker als solches zu bezeichnen, wäre nicht treffend. Wohl aber zeigt es, dass junge Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden in allerlei gefährliche Sackgassen und Ängste geraten können.

Hier gilt das für vier junge Frauen. Selbstfindung, Selbstbestimmung, große Enttäuschungen, die noch größere Wünsche nach sich ziehen – wem kann ich vertrauen? Wie Liebe gewinnen? Im Grunde sind es diese Fragen, die alle vier verbinden. Doch wenn die Antworten fehlen oder am falschen Ort gesucht werden, können Träume auch zu Albträumen werden.

Schauplatz des Geschehens ist eine alte Lagerhalle. Dodo hat sich hier eingerichtet und vor der Welt verschanzt. Auch Arlette ist regelmäßig dort. Einerseits demütigt und quält sie Dodo, andererseits träumt sie von der großen Liebe und Kindern. Und dann ist da noch Leo (Anna-Lena Gebert). Sie träumt von Karriere und Australien. Auch sie benutzt Dodo. Als Arlette nach einem Discobesuch in den Wagen eines jungen Mannes steigt und fortan vermisst wird, brechen bei Dodo alle Dämme.

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: Es wird letztlich doch noch alles gut. Fazit: Spannendes, ausdrucksstarkes Jugendtheater (Regie: Peter Herborg) - sicher auch ein Tipp für Schulklassen der Oberstufe. Die vier jungen Darstellerinnen füllten ihren Rollen mit viel Leben aus. Lang anhaltender Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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