Thomas Bernhard wäre heute 80 - sein Werk ist weiterhin präsent und aktuell

Ausfälle voller Hassliebe

Virtuoser Autor, als Nestbeschmutzer verunglimpft: Thomas Bernhard (1931-1989). Foto: dpa

Was bleibt von Thomas Bernhard? Es ist erstaunlich, wie präsent noch heute, mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod, seine provozierenden Dramen und Romane, seine Schmähreden und sarkastischen Ausfälle gegen Kunst- und Kulturträger, gegen den Literaturbetrieb und vor allem sein Heimatland Österreich wirken, mit dem ihn zeitlebens eine heftige Hassliebe verband. Bernhards Spuren finden sich im zeitgenössischen Theater, aber auch seine prägnante Prosa ist unvergessen.

Heute wäre der schärfste Kritiker Österreichs, der Büchnerpreisträger, der aus der Darmstädter Akademie austrat, 80 Jahre alt geworden.

Wer den streitlustigen Autor erlebt hat wie 1984 auf der Buchmesse, als sein Roman „Holzfällen“ einen Aufruhr verursachte und zur Folge hatte, dass Bernhard, als „Nestbeschmutzer“ verunglimpft, die Auslieferung in Österreich untersagte, wird sich der Intensität erinnern, mit der er grimmig, aber voll schwarzen Humors gegen seine Widersacher zu Felde zog. Noch im Testament sprach er ein Aufführungs- und Publikationsverbot in Österreich aus.

Thomas Bernhards (1931-1989) Stücke, die fast alle von Claus Peymann uraufgeführt wurden und häufig Skandale oder sogar Prozesse verursachten, gehören zum festen Bestand der „theatralischen Postmoderne“ und werden nach wie vor gespielt. Seine virtuosen, musikalisch strukturierten Romane mit ihren kreisförmig angelegten Wiederholungen wirken beim Wiederlesen frisch und neu, ihr Witz tritt hervor, während der jeweilige aktuelle Anlass verblasst.

Aus Anlass des 80. Geburtstags sind Neuausgaben erschienen, unter denen „Goethe schtirbt“ mit bisher in Buchform unveröffentlichten Erzählungen herausragt - komisch, tragisch, respektlos, eben ein echter Bernhard. Der Hörbuchverlag hat eine Auswahl aus dem Briefwechsel Bernhards mit seinem Verleger Siegfried Unseld herausgegeben, aus dem das spannungsreiche Verhältnis der Literaturtitanen deutlich wird, brillant gelesen von Peter Simonitschek und Gert Voss.

O-Ton Bernhard ist zu hören auf der Doppel-CD „Ereignisse“ mit früher Prosa. Leiden, Unfreiheit und Tod - seine Lebensthemen klingen schon hier an.

Thomas Bernhard: Goethe schtirbt. Suhrkamp, 98 S., 14,90 Euro; Th. Bernhard, Siegfried Unseld: Briefwechsel. Hörverlag, 3 CD, 240 Min., 19,95 Euro; Th. Bernhard: Ereignisse und andere Prosa. Hörverlag, 2 CD, 126 Min., 19,95 Euro

Von Claudia v. Dehn

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