Ausflug in die Romantik

David Garret: Album mit Violinkonzerten von Bruch und Brahms

Wer die aufwendig inszenierten Pop-Konzerte von David Garrett kennt, erwartet vielleicht eine ähnlich intensive Selbstdarstellung, wenn der 34-jährige Stargeiger sich wieder einmal auf klassisches Terrain begibt.

„Timeless“, also: Zeitlos, ist der Titel seiner neuen CD, auf der er zwei der berühmtesten romantischen Violinkonzerte spielt, das g-Moll-Konzert von Max Bruch und das d-moll-Konzert von Johannes Brahms. Begleitet wird er vom Israel Philharmonic Orchestra und Dirigier-Altmeister Zubin Mehta (78), mit dem Garrett bereits als zwölfjähriges Geigenwunder musiziert hat.

Aus dieser Verbindung ist jetzt ein wirklich erstaunliches Album entstanden. David Garrett verzichtet in den beiden Konzerten auf jede Art von solistischer Selbstdarstellung oder Extravaganz und stellt sich ganz in den Dienst der beiden Werke. Ja, mehr als viele seiner allein im Klassik-Sektor agierenden Kollegen, die sich als solistischen Kontrapunkt zum Orchester verstehen, entwickelt Garrett sein Spiel ganz aus dem Orchesterklang heraus.

Das ist wörtlich zu nehmen, wenn Garrett die Geigenstimme im zweiten Satz des Brahmskonzerts wie aus dem Nichts ertönen lässt. In seinem typisch feinen Ton mit durchweg sehr dezentem Vibrato, das Garrett insgesamt gegenüber manchen stets unter Hochspannung spielenden jungen Geigern auszeichnet.

Woher nimmt Garrett bloß diese Gelassenheit, wo er doch unter argwöhnischer Beobach- David Garrett: Timeless. Decca. Wertung: !!!!: tung der Klassikszene steht? In beiden Konzerten vertieft sich Garrett ganz in die Musik. Er spielt ausdrucksstark und dicht, aber nie gefühlig. Dazu technisch ohne Fehl und Tadel. Und wo es mal an gestalterischer Finesse fehlt wie beim ungarisch getönten Brahms-Finalthema, da springt Zubin Mehta mit dem Orchester ein und bringt jene polternde Leichtigkeit ins Spiel, die diesen Satz so wunderbar macht.

Im Booklet ist Zubin Mehta mit den Worten zitiert, er hoffe, dass sich Garretts Cross-over-Fans auch von dieser Klassikplatte begeistern lassen. Das kann man nur unterstreichen.

Von Werner Fritsch

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