Ausflug mit der Soul-Maschine:

Im Kasseler Kulturzelt gastierten die Urban Mash Up All Stars

Irma

Kassel. „Ich muss mich mal sichtbar machen“, sagte Sänger Matteo Capreoli und bändigte seine Wuschellocken mit einem Haargummi zum Riesendutt oben auf dem Scheitel.

Die augenbefreiende Maßnahme war symbolisch für das Konzept des Kulturzelt-Eröffnungskonzertes am Wochenende in Kassel.

An zwei Abenden gastierten die Urban Mash Up All Stars im ausverkauften Zelt mit Soul, HipHop und Singer-Songwriter-Pop, und jeder der fünf Solisten machte sich ganz persönlich musikalisch sichtbar. Eroberte die Bühne für seine 15 Minuten Kasseler Ruhm und brachte seinen eigenen Stil, seine eigene Stimmung mit. Brüche und der fehlende Bogen gehörten somit zum Konzept des Ausflugs mit der Soul-Maschine, auf das sich das am Ende stehend applaudierende Publikum begeistert einließ. Schade allerdings, dass es eine Reihe von Liedüberschneidungen zum Auftritt im vergangenen Jahr gab.

Die Rollen waren klar verteilt: Capreoli gab den verträumten Straßenmusiker, barfuß und kettenbehangen sang er zur Gitarre „Du bis mein neuer Tag“ und von den „Kindern des Lichts“, und ließ musikalisch die Sonne aufgehen.

Fetsum Sebhat war der Soulkönig. Kraftvoll nach vorn gingen seine Songs, die charismatische Stimme verführte schon beim zweiten Titel die Massen zum Mitsingen. Höhepunkte waren die Präsentation seines aktuellen Hits „Waitin’ For You“ und die Ballade „Meet You In Paradise“ mit Antonio Ferris an den Tasten.

Vollkommen unterschiedlich im Auftreten und beide bezaubernd zeigten sich die Solistinnen: Miriam Bryant mit der an Adele erinnernden Stimmfarbe war gesundheitlich angeschlagen. So präsentierte sie im Existenzialistenlook mit langem schwarzen Mantel am Freitagabend nur eine kurze Kostprobe ihres soghaften Talents, wobei man „Finders Keepers“ sofort zum Titelsong eines James-Bond-Songs machen könnte.

Die zierliche Irma hingegen, die heute 25 Jahre alt wird, stand mit ihrer Gitarre hoch konzentriert und fast schüchtern auf der Bühne und entfaltete ihr Charisma mit der zarten, eindringlichen Stimme desto überzeugender. Etwa bei „Letter To The Lord“.

Als Glam-HipHop könnte man den Musikstil von Flo Mega bezeichnen. Mit Schiebermütze, eng geschnittenem Anzug und zappeligen Tanzeinlagen gab er den Spaßvogel des Abends, auch und gerade wenn er von seinem überwundenen Burn-out erzählte oder ein Orangensalat-Rezept pries - der Knüller bei den Mädchen. Dazu kombinierte er Soulmusik mit gleißenden Bläserakzenten und leicht surrealen Satzkaskaden, wie von einer „Wiese aus Mittelfingern“.

Nächste Konzerte im Kasseler Kulturzelt: heute Anna Depenbusch, Mittwoch Youn Sun Nah, Beginn: 19.30 Uhr.

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