Der Kontrabassist Sebastian Gramss begeisterte mit seinem Trio Slowfox bei „Jazz im tif“

Ausgefeilter Jazz, großer Sound

Spielte keinen Slowfox: Das Sebastian-Gramss-Trio Slowfox mit dem österreichischen Pianisten Philip Zoubek (Piano), dem Kontrabassisten und Komponisten Sebastian Gramss (Bass) und dem neuseeländischen Saxofonisten Hayden Chisholm. Foto:  Gebhardt

Kassel. Der Bandname Slowfox ist dazu angetan, ein klein wenig Verwirrung zu stiften: Slowfox ist eigentlich ein Standardtanz im Viervierteltakt, der mit seinen gleichmäßigen und fließenden Bewegungen meist zur Swingmusik getanzt wird. Wer also am Mittwochabend in der Reihe „Jazz im tif“ eine „swingende“ Jazz-Combo erwartet hatte, dürfte entweder enttäuscht oder sehr angenehm überrascht gewesen sein.

Slowfox, das Trio mit dem Bassisten und Komponisten Sebastian Gramss, dem Pianisten Philip Zoubek und dem neuseeländischen Altsaxofonisten Hayden Chisholm swingt nämlich nicht. Ganz im Gegenteil, Slowfox steht hier für kompositorisch ausgefeilten Jazz mit hohem künstlerischem Anspruch und beeindruckender Tiefe. An den Tanz hätte er bei der Namensgebung nicht gedacht, erklärt Gramss hinterher auf Nachfrage, das Wort klinge aber so schön.

Bevor es losgeht, zitiert Chisholm ein englisches Gedicht, dessen kurze Zeilen die Stücke der aktuellen, 2014 aufgenommenen CD „The Woods“ bezeichnen. Das hat mit alten Konzepten von „Jazz & Lyrik“ nichts zu tun, die anfänglichen Zeilen bieten lediglich einen Assoziationsrahmen für die weiten und offenen Klangräume, die das Trio spannt.

Vor allem Chisholms Sound auf dem Altsax ist unerhört. Er vermeidet jede Schroffheit, Intonation und Ansatz sind transparent, ohne jemals seicht oder banal eingängig zu sein. Vielleicht ist das abgegriffene Attribut „lyrisch“ am passendsten, um diesen ziemlich einmaligen Sound zu charakterisieren. Bisweilen klingt sein Horn gar wie eine Querflöte. Überhaupt folgt man dieser Band, die rein akustisch (also unverstärkt) spielt, am besten mit geschlossenen Augen, lässt sich gehen und die Gedanken schweifen. Bei aller kammermusikalischen Feinheit lassen Zoubek, Gramss und Hayden plötzlich eine Blues-Phrase aufleuchten und der Jazz ist wieder geerdet. „Für den Fall, dass uns die Kompositionen ausgehen, haben wir vorgesorgt“, sagt Chisholm vor der Zugabe. Sie stellen ihre Notenständer beiseite und improvisieren völlig frei und losgelöst: große Klasse!

Von Andreas Gebhardt

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