Ausgelassener Disko-Kitsch: Die Scissor Sisters

Vier Schwestern der Dancemusik und ein magischer Moment: Babydaddy (von links), Ana Matronic, Jake Shears und Del Marquis sind die Scissor Sisters. Foto: Universal

In der winzigen Schwulen-Bar IC Guys im East Village von New York, wo die Kabel aus der Decke hingen, er in einer Bierlache auf dem Tresen tanzte und ihm alle paar Minuten jemand Dollar-Scheine in seine Shorts steckte, wuchs in Sänger Jake Shears der Wunsch, vor großem Publikum auf der Bühne zu stehen.

Das hat er gemeinsam mit den Scissor Sisters 2006 auch geschafft. Mit „I don’t feel like dancin’“ gelangte das New Yorker Qartett zu Weltruhm.

Zwei Jahre hat die Band für ihr neues, viertes Album benötigt. „Magic hour“ ist nun auf dem Markt. Es ist tanzbar, lässt die Zehen in den Flip-Flops wippen und eignet sich schon vom ersten Song „Baby come home“ für laue Sommernächte.

Doch hat das vom Hamburger DJ Boys Noize alias Alex Ridha produzierte Album mit „Lets have a kiki“ nur einen wirklich verrückt-magischen Moment zu bieten. Der Song startet mit einem genervten Telefonat und blechernen Trommeln im Hintergrund. Und auf einmal sind da diese tuntigen Stimmen, die eingehüllt von schnellen Beats und Rasseln eine spontane Kiki - eine Fete - einfordern. Es ist ein wunderbar schräges und extrem anziehendes Stück von Ana Matronic, dem verrückten Huhn der Band.

Auch sonst klingt auf „Magic hour“ alles gut gelaunt und unbeschwert. 16 sehr unterschiedliche Songs von Gospel-Atmosphäre über elektronische Ballade und Rap-Pop bis hin zu Disco-Funk. Selbst die launischen Stücke hören sich unbeschwert nach Kaugummi-Pop an und bieten viel Tanz-Juckpulver. Entstanden ist die wilde Mischung durch die Mithilfe von Musikern wie Pharrell Williams, Calvin Harris und Boys Noize.

Fast alles klingt auf „Magic hour“ aber auch so, als hätte man es schon mal gehört. Das ist die große Schwäche des Albums. Die verdoppelt sich dadurch, dass Shears Falsett-Gesang zu sehr an Bee Gees und Pet Shop Boys erinnert.

Insgesamt ist das Album dicht dran an dem, was die Scissor Sisters einst aus den Schwulenbars auf die Bühnen brachte: ausgelassener und abwechslungsreicher Disko-Kitsch mit kräftigen Elektro-Beats und süßen Melodien.

Scissor Sisters: Magic Hour (Universal). Wertung: drei von fünf Sternen

Von Maja Yüce

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