Ausländer - zum Glück

Der Clip aus dem Netz: Japanisch-deutscher Integrations-Spaß

Als Horst-Seehofer-Gedächtnisvideo könnte der neueste Coup der Torpedo Boyz durchgehen. Die Berliner Electropop-Truppe um die DJs Kentastic und Rollin Hand hat einen Song ihres dritten Albums „Return of the Ausländers“ verfilmt und bei Youtube hochgeladen. Der Titel: „Ich bin Ausländer (leider zum Glück)“.

Der Song passt zur aktuellen Integrationsdebatte, die der CSU-Chef mit losgetreten hat - dreht sie aber ins Skurrile. Der japanische Sänger Daisuke Isomichi rennt im Video durch Berlin, die Kamera zeigt im Vordergrund sein Gesicht, dahinter erscheinen Berliner Stadtszenerien zwischen Potsdamer Platz und Alex.

„Ich bin Ausländer leider zum Glück“ sprechsingt er, „ich kehr’ irgendwann nach Japan zurück“. Dann wird mal ein gezeichneter Fujiyama eingeblendet, mal posiert Daisuke an der legendären Wurstbude „Curry 36“ am Kreuzberger Mehringdamm und stellt sich mit Wurstpappe an den Stehtisch. Der Nonsens-Text dazu: „Im Winter ist es kalt / im Sommer ganz schön heiß / die Currywurst ist lecker / doch ich ess’ lieber Reis“ (klingt mit Akzent so: „Die Kaliwulst is lecka / doch ich ess lieba leis“).

Schließlich landen die fünf Torpedo Boyz mit ihren Instrumenten am Brandenburger Tor und nicken synchron mit den Köpfen zu ihrem Hit, der Sprechgesang mit synthetischen Neue-Deutsche-Welle-Sounds kombiniert. Die Musiker tragen ihr Markenzeichen: Helme, Sonnenbrillen und weiße Trainingsanzüge, die die Truppe aussehen lassen wie eine Mischung aus Bobfahrer und Raumschiffbesatzung eines 60er-Jahre-Films.

2004 entstand die Formation aus einem Spaß heraus: Eigentlich wollte man nur eine Single mit dem Track „Gimme a Bassline” aufnehmen - dann wurde eine mehrjährige Bandgeschichte plus Gewinn des Independent Music Award daraus.

Daisuke bilanziert: „Berlin ist zwar ganz schön / aber auch nicht Tokio“. Wohl wahr. Und er zieht ein Fazit, das in all der Lust am Nonsens dann doch wieder politisch wird: Amerika, Russland und China, stellt Daisuke fest, mögen ihn: „It’s ok.“ Aber Germany? „I don’t know“ - Ich weiß es nicht. Trotzdem endet er mit einer Prognose, die so manche Stammtischrunde das Gruseln lehren soll: „Vielleicht bleibe ich auch hier.“ In dieser Rubrik stellen wir in loser Folge Musik-Clips aus dem Internet vor. Den Link zu „Ich bin Ausländer (leider zum Glück)“ gibt es unter www.hna.de/kultur

Von Bettina Fraschke

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