Die Ausnahme-Jazzer Richard Galliano und Ron Carter nehmen in Kassel Live-Album auf

Produzieren ein Album mit eigenen Kompositionen: Akkordeonist Richard Galliano (links) und Kontrabassist Ron Carter im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Die Aufnahmesession mit den beiden Weltklasse-Jazzern Ron Carter und Richard Galliano am Samstagabend im vollbesetzten Saal darf man als weiteren Ritterschlag für das Theaterstübchen bezeichnen. Wann kommt man in den Genuss so hautnah einen ebenso konzentrierten, wie abgeklärten Dialog zweier Ausnahmemusiker zu erleben?

Seit gut 25 Jahren arbeiten der legendäre Kontrabassist und der stilbildende französische Akkordeonist zusammen. Im Zentrum der CD-Aufnahme stand die Dokumentation von zeitlos schönen Kompositionen aus Richard Gallianos Feder. Die wunderbar schwebende Ballade „Poem“, das Mid-Tempo-Stück „Spleen“, unverkennbar liegt ein eleganter New-Musette Stil, wie ihn Galliano mitgeprägt hat im Raum.

Der sonore Klang des Akkordeons mit seinen flinken Jazzskalen und vollmundigen Voicings wird dabei in idealer Weise vom Kontrabass mit stimmigen Linien und melodiösen Solointerventionen ergänzt. Als Soloausflug in die Welt des Tango Nuevo kombiniert Richard Galliano meisterlich eine Aria mit Astor Piazzollas „Libertango“, Ron Carter erzählt in seinem wunderbaren Solo auf dem Kontrabass Geschichten aus einem reichen Musikerleben von erdigem Bluesfundament bis Flageolett-Experiment.

Etwas irritiert war das Publikum durch die Tatsache, dass das komplette Konzert ein weiteres Mal gespielt wurde, um jeweils zwei Versionen von den Stücken zu haben. War auch die unmittelbare Begeisterung nicht ganz so groß, so ergaben sich durch das entspannte und risikofreudigere Spiel interessante Variationen im Feinbereich, bei etlichen Stücken wurde „eine Schippe draufgelegt“.

Die zweite Fassung des raschen Jazz-Waltz „Naja“ etwa dürfte als Referenzaufnahme Bestand haben – und das Kasseler Publikum war dabei!

Von Hartmut Schmidt

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