Startrompeter Till Brönner und sein Orchester begeisterten im Kasseler Opernhaus

Ein Ausnahmeabend

Brillanter Sound: Till Brönner beim Auftritt im Kasseler Opernhaus. Foto: Fischer

Kassel. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Jazzmusiker würden auf der Bühne die gleiche Garderobe tragen wie im heimischen Wohnzimmer. Till Brönner ist da aus dem Schneider. Smart sieht der 43-jährige Musikus und mehrfache Echopreisträger auch am Freitag im nahezu ausverkauften Kasseler Opernhaus aus: dunkles Jackett, weißes Hemd, Fliege. Ein Frauentyp, den man sich gut als Bachelor in der gleichnamigen RTL-Bagger-Show vorstellen könnte.

Gottlob hat Brönner besseres zu tun. Nämlich Musik zu machen, zu arrangieren, zu produzieren und brillant Trompete und Flügelhorn zu spielen. Sein Auftritt dürfte der Höhepunkt des siebten Kasseler Jazzfrühlings gewesen sein – gleichwohl Brönner nicht das brachte, was aufgrund des Programmheftes erwartet wurde: Von „The Movie Album“, seiner Liebeserklärung an große Filmmusik, war kaum etwas zu hören. Stattdessen nahm der Ausnahmemusiker das Publikum auf eine musikalische Reise durch verschiedene Länder, Kontinente und Musikstile – und begeisterte damit. Schwungvoller Bigband-Sound kooperierte mit gefühlvollen Jazz-Stimmungen, stilistische Ausflüge mit grandiosen solistischen Intermezzi.

Paris, Mexiko, Kuba, Kalifornien hießen die Ziele. Deutschland folgte: „Das Land von Bach, dem ältesten Jazzer aller Zeiten“, wie Brönner schelmisch proklamierte und „Air in G“ spielte. Nicht nur Brönners, zwischen sanften und exzentrischen Farben pendelndes Trompetenspiel stand im Mittelpunkt. Auch Saxofonist Mark Wyand, Pianist Jasper Soffers und Trompeter Ryan Wrigley bekamen Gelegenheit zu brillieren. Bescheiden reihte sich Brönner dann in das Orchester ein.

Mit dabei auch: eine wunderschöne Instrumentalversion von Billy Joels „Just The Way You Are“, temperamentvolle Zweikämpfe zwischen Brönner und seinem Saxofon spielenden Orchesterleiter Magnus Lindgren und ein kurzes Gastspiel des Sängers und Gitarristen Peter Fessler. Mit dem Klassiker „Girl From Ipanema“ und dem Hit „New York-Rio-Tokio“ sorgte Fessler für brasilianisches Flair.

Viel Beifall gab es auch für einen Trip in den legendären New Yorker Club „Birdland“ - verbunden mit einer musikalischen Verbeugung vor dem Kultsaxofonisten Charlie „Bird“ Parker. Riesenapplaus und drei Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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