Sensationell gut: Das Youth State Orchestra of Armenia machte Furore beim Kultursommer

Ausnahmetalente stellten sich vor

Profi-Niveau: Die jungen Musiker aus Armenien mit ihrem Dirigenten Sergey Smbatyan (Mitte) beeindruckten mit Virtuosität und homogenem Klang. Foto: Fischer

Kassel. Ist das wirklich ein Jugendorchester, ist der Dirigent erst 23 Jahre? Wer die Augen beim Finalkonzert der „Sommer-Sinfonie“ geschlossen hatte, mochte ungläubig diese Fragen stellen. Gehobenes, ja sensationelles Profi-Niveau war in der Kasseler Stadthalle beim Kultursommer Nordhessen zu erleben. Das Youth State Orchestra of Armenia und sein Gründer Sergey Smbatyan machten Furore.

Mit Perfektion und homogenem Klang beeindruckte das 40-köpfige Streicher-Ensemble. Beflügelnd für die Musiker dabei die bestimmte wie nuancierte Zeichengebung des Dirigenten Sergey Smbatyan. Zu Recht gilt er als Ausnahmetalent.

Armenisches stand jeweils am Beginn der Konzerthälften. Die Sinfonietta von Alexander Arutjunjan bot Gelegenheit, um mit rhythmischer Tatkraft und wirbelnder Virtuosität zu brillieren. Besondere Prägnanz hatten das neobarocke Arioso und der dritte Satz, in dem sich solistische Triller vom treibenden Pizzicato abhoben. Anders als Arutjunjans strenge Komposition war „The Lost Balloon“ von Eduard Hayrapetyan eher ein Stimmungsbild bis hin zum schillernd aufgefächerten Moll-Dreiklang.

Die russische Musik war mit Werken von Tschaikowsky und Schostakowitsch vertreten. Von klangsatt bis gläsern reichte die Palette schon allein in der feierlichen Einleitung der Serenade op. 48 von Tschaikowksy. Insgesamt handelte es sich um eine mehr stringente als charmante Deutung dieses trotz des Titels gewichtigen Werks, in das Tschaikowsky nach eigenen Worten „schrecklich verliebt“ gewesen war.

Zum Höhepunkt geriet die Kammersinfonie c-moll, das von Rudolf Barshai verfertigte Arrangement von Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8. In all seinen Klagen, in all seinem Schrecken wurde das Bekenntniswerk ausgeleuchtet, das Schostakowitsch 1960 dem Gedächtnis der Opfer von Krieg und Faschismus gewidmet hatte. Erst nach einem Moment der Stille sollte Riesenbeifall in der Stadthalle einsetzen. Zwei Zugaben, darunter als Schmankerl Fiddle-Faddle von Leroy Anderson, spielte das Orchester, bevor die 400 Zuhörer mit Ovationen dankten.

Von Georg Pepl

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