Außer Spur: Ein sehr guter Münchner „Tatort“

Zahnschmerz war nur der Anfang. Hauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) wurde im „Tatort“ aus München, „Der traurige König“, ziemlich zugesetzt - HNA-Redakteur Mark-Christian von Busse über den Münchner „Tatort“.

Er schoss auf einen Angreifer, auch noch den Sohn seiner Nachbarn, der bloß eine Spielzeugwaffe auf ihn richtete.

Magnus Vattrodt, Jobst Christian Oetzmann (Buch) und Thomas Stiller (Regie) zeigten in diesem sehr guten „Tatort“, wie selbst ein erfahrener Ermittler unter Druck, ja außer Spur geraten kann. Ivo Batic (Miroslav Nemec) erhielt beim Versuch, den Kollegen wieder einzufangen, Hilfe durch die hübsche, verblüffend begabte, sogar mit Waffe ausgerüstete „Auszubildende“ Julia (Sylta Fee Wegmann) - das gibt’s so nur im Fernsehen.

Gleichzeitig war dieser Krimi die bedrückende münchnerische Milieustudie um ein traditionsreiches, aber bankrottes Eisen- und Haushaltswarengeschäft, in dem die Zeit stillsteht. Klug wurden beide Stränge verknüpft, mit überraschender Auflösung: Niemand in dieser zerrütteten Familie Aumeister war unschuldig.

Schuldlos schuldig zu werden, genau das meint der Begriff Tragik. Eine tragische Figur ist der Handwerker (Wolfgang Hübsch), der sich vergeblich gegen die moderne Welt mit ihren riesigen Baumärkten stemmt. Seine Verblendung, sein Schwarz-Weiß-Urteil über den vermeintlich guten und den bösen Sohn waren etwas dick aufgetragen.

Von Mark-Christian von Busse

Rubriklistenbild: © dpa

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