Ausstellung: Energie für viele Leben

Vielschichtige Fotoarbeiten: Natalie Ital belichtete Fotopapier ohne Kamera, experimentierte mit Objekten und Farbfiltern. Im Fotoforum sind einige ihrer Fotogramme zu sehen. Foto: von Busse

Kassel. Das Fotoforum würdigt die erst 48-jährig gestorbene Fotografin Natalie Ital

Kassel. „Sie hat wirklich für drei Leben produziert“, sagt OIiver Franke über die Fotografin Natalie Ital. Er kannte die Künstlerin ein Vierteljahrhundert, er war ihr Kommilitone an der Kasseler Kunsthochschule, zwischenzeitlich elf Jahre mit ihr zusammen, und er hat sie in Berlin begleitet, als sie Krebs bekam und als der Tod näher rückte. Ende Juli ist die Künstlerin ihrer Erkrankung erlegen, nur 48 Jahre alt.

Franke hat Michael Wiedemann, dem Vorsitzenden des Kasseler Fotoforums, auch den Zugang zu Itals Werken verschafft. Wiedemann hatte die Idee einer Ausstellung, um Ital, die bei Floris Neusüss und Rolf Lobeck studiert hat und 1994 den Kunstpreis der Dr.-Wolfgang-Zippel-Stiftung erhielt, posthum zu würdigen. „Ich war wie angeblitzt“, sagte Wiedemann bei der Eröffnung über den Moment, als er Itals Arbeiten kennenlernte, die von so unbändiger Energie und „eindringlicher Finesse der Farbgebung“ seien.

Wiedemann bat auch um einen Moment des Innehaltens. Ungewöhnlich für eine Vernissage, traf das schweigende Verharren aber sicher das Bedürfnis der Freunde und Familienmitglieder, die sich an diesem Abend an Natalie Ital erinnerten. Die hatte „absolutes Insiderwissen“ in der Rockabilly-Musik, war als DJane Tally Tupelo unterwegs, und zuletzt schuf sie zahlreiche „Soft-skulpturen“, kleine selbstgenähte schaumstoffgefüllte Stofffiguren. Energie für viele Leben – wovon die Webseite www.NatalieItal.de noch einen guten Eindruck vermittelt.

Als Fotografin beschäftigte sich die Abiturientin an der Christophorus-Schule Oberurff mit Fotogrammen, und zwar als erste überhaupt in Farbe. Das heißt, sie belichtete Negative und Fotopapier ohne Kamera. Sie arrangierte unterschiedliche Objekte, veränderte die Winkel und Perspektiven, nutzte Farbfolien, brachte sich selbst als Silhouetten ins Spiel. Zuerst experimentierte sie im Keller des Elternhauses in Ziegenhain mit Equipment aus der Zahnarztpraxis des Vaters, später bearbeitete sie die Collagen dann digital. In der Ausstellung meint man, gar nicht alle Details der vielschichtigen, wirkmächtigen Arbeiten – Teppichklopfer, Steckerkabel, Schallplatten, Pflanzen – entdecken zu können.

Ihre beiden Hasen seien „ihr ein und alles gewesen“, sagt Itals Berliner Freund Franke. So ist es konsequent, dass Erlöse von Ital-Werken künftig dem Tierschutz zukommen.

Bis 3.12., Werner-Hilpert-Str. 15, Do/Fr/Sa 16-19 Uhr. www.kasselerfotoforum.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.