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Ausstellung: Als Kassels Stadtbaumeister zum Vesuv reiste

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Stadtbaumeister im Fokus: MHK-Praktikant Christian Bendel mit einer Büste von Architekt Simon Louis du Ry.
Stadtbaumeister im Fokus: MHK-Praktikant Christian Bendel mit einer Büste von Architekt Simon Louis du Ry. © Malmus, Pia

Die Ausstellung „Reise zum Vesuv“ über die die Reise des Kasseler Architekten Simon Louis du Ry an den Golf von Neapel, die frühen Ausgrabungen unterhalb des Vulkans und die Antikenbegeisterung am hessischen Hof im Landesmuseum in Kassel hat begonnen.

Kassel – Sieben Jahre hat sich Rüdiger Splitter mit den ersten Ausgrabungen am Golf von Neapel beschäftigt – unter besonderer Berücksichtigung der Italienreise des Kasseler Architekten Simon Louis du Ry (1726-1799) bis zum Vesuv. Die Ergebnisse hat er auf 176 Seiten in einem kiloschweren, reich bebilderten Buch zusammengefasst. Sieben Stunden, schätzt der Leiter der Antikensammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), könnte er über seine Erkenntnisse erzählen – wissenschaftlich fundiert, aber auch anekdotisch spannend.

So lange dauert der Rundgang im Landesmuseum mit dem Honorarprofessor für Archäologie an der Universität Kassel dann doch nicht. Splitter ist es gewohnt, seine Forschung zu komprimieren, sie anschaulich zu machen. Die Ausstellung „Reise zum Vesuv. Anfänge der Archäologie am Golf von Neapel“, die ab morgen im Antikensaal zu sehen ist, illustriert seine Erkenntnisse als eine Art Teaser oder Best-of. Sie macht tatsächlich Lust, sich in die vielfältigen, angeschnittenen Themen zu vertiefen – und vor allem die vorgestellten Ausgrabungsstätten nahe Neapel selbst zu besuchen.

Landgraf Wilhelm VIII. hatte du Ry – den Enkel eines hugenottischen Migranten – zur Krönung seiner Ausbildung nach Italien geschickt. Seit 1738 erkundeten Ingenieure im Auftrag des Königs Karl von Neapel und Sizilien die Ruinen der antiken Stadt Herculaneum. Auch du Ry sollte diese unterirdischen Ausgrabungen besuchen. Seine Briefe – von denen Ausschnitte auf der „100 Meisterwerke“-App der MHK zu hören sind – schildern den Einstieg in die dunklen Grabungstunnel, den Besuch im „Herculanense Museum“ im Königspalast von Portici und seine Besteigung des Vesuvs am 4. März 1755: „Das war lebensgefährlich“, so Splitter, du Ry stapfte über frisch verkrustete, heiße Lavaströme. „Er war ein toller Typ“, findet er, hervorragend ausgebildet, weltläufig, gelehrt.

„Kassel, wie wir es heute kennen, ist du Ry zu verdanken“, sagt Splitter. Er ließ Friedrichs- und Königsplatz sowie die Königsstraße anlegen. Geprägt von seiner zweiten Italienreise mit Friedrich II. schuf er das 1779 eröffnete Fridericianum. Auch andere Spuren der Antike – vom Portal des Stadtmuseums bis zum „Grab des Vergil“ im Bergpark – erläutert die Ausstellung. Und zwar Spuren nicht nur in Kassel – sondern bis nach Los Angeles, wo die spektakuläre Getty-Villa in Malibu nach dem Vorbild der Papyrusvilla in Herculaneum entworfen wurde. Abgüsse berühmter Funde verbreiteten sich als Anschauungsobjekte und Dekoration. Die Ausstellung vereint Gipsabgüsse und Gesteinsproben, Diderots Enzyklopädie, eine Abbildung verkohlt gefundener Papyrusrollen und neue virtuelle Rekonstruktionen.

Es sei seine Aufgabe und seine Leidenschaft, die Augen zu öffnen für das antike Erbe, das uns umgibt, sagt Splitter. Genau das gelingt hier.

Bis 26. Februar. Das Buch ist im Verlag wbg Philipp von Zabern erschienen (60 Euro), weitere Infos unter museum-kassel.de

Begeisterung fürs Altertum: MHK-Sammlungsleiter Rüdiger Splitter macht in der Ausstellung anschaulich, wo in Kassel die Antikenbegeisterung bis heute Spuren hinterlassen hat. Hier sitzt er neben einem von Johann Konrad Bromeis um 1820 entworfenen Polstersessel (Taburett).
Begeisterung fürs Altertum: MHK-Sammlungsleiter Rüdiger Splitter macht in der Ausstellung anschaulich, wo in Kassel die Antikenbegeisterung bis heute Spuren hinterlassen hat. Hier sitzt er neben einem von Johann Konrad Bromeis um 1820 entworfenen Polstersessel (Taburett). © Pia Malmus

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