Faszinierende Zeitreise durch 3000 Jahre der Geschichte Roms

Ausstellung im Schloss: Die Antike erwacht zum Leben

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Kassel. Vom Zentrum der Welt zur Kuhweide: Eine Ausstellung im Museum Schloss Wilhelmshöhe in Kassel erzählt die Geschichte des Forum Romanum. Ausgangspunkt ist die Antiken- und Sammelleidenschaft des Kasseler Landgrafen Friedrich II.

Gewöhnlich geben Ausstellungsmacher den Rundgang vor. In der Schau „Forum Romanum“ im Museum Schloss Wilhelmshöher in Kassel lassen Rüdiger Splitter, Leiter der Antikensammlung, und Volontär Philipp Baas die Wahl. Von zwei Seiten aus kann man sich auf eine faszinierende Zeitreise durch 3000 Jahre der Geschichte Roms begeben. Der Schauplatz: das Forum Romanum, der Ort im Zentrum der Ewigen Stadt, an dem über Jahrhunderte Weltgeschichte geschrieben wurde.

Entweder man beginnt mit Erkenntnissen und Methoden der modernen Archäologie und gräbt sich gewissermaßen in die Historie ein. Oder man fängt an mit dem Gründungsmythos Roms von der Wölfin, die Romulus und Remus nährte, und arbeitet sich über die Jahrhunderte voran.

„753 - Rom schlüpft aus dem Ei“ - die Ausstellung ruft viel tief im Hinterkopf vergrabenes Schulwissen wach, sie bringt dem Rom-Touristen manches Aha-Erlebnis, und wer noch nie auf dem Kapitol stand und auf die berühmte Ruinenlandschaft schaute, wird Lust bekommen, dorthin zu reisen.

Die Ausstellung in Fotos

Ausstellung Forum Romanum im Schloss Wilhelmshöhe

So wie bereits die Kasseler Landgrafen Carl 1700 und sein Enkel Friedrich II. 1777. Dessen Besuch bildet sozusagen das Scharnier der beiden Zugänge zur Schau, hier laufen die Fäden zusammen. Während seines Rom-Aufenthaltes bestellte Friedrich Korkmodelle von Antonio Chichi der Tempel, Triumphbögen und Basiliken. Nur in St. Petersburg sind sie so vollständig erhalten wie in Kassel. Acht der phänomenalen Darstellungen bilden das Zentrum der Ausstellung. Ergänzt werden sie von Ansichten von Giovanni Battista Piranesi (Leihgaben aus Leipzig) und einem riesigen Rom-Plan Giambattista Nollis (Faksimiles einer Ausgabe in der Fürstlichen Bibliothek in Bad Arolsen). Von Friedrichs Sammelleidenschaft künden auch „Mitbringsel“ seiner Reise für das Museum Fridericianum.

Es war die Epoche des Beginns archäologischer Forschung - nur Tage nach seiner Rückkehr gründete Friedrich die „Gesellschaft der Alterthümer“. Zu Zeiten Landgraf Carls hatte das Forum noch „campo vaccino“, Kuhweide, gehießen. Die Ruinen dienten als Steinbruch, vieles, etwa die Rednerbühnen (rostra), war noch nicht ausgegraben. Pläne, Stiche, Zeichnungen, Gemälde, aber auch Fotografien vom Ende des 19. Jahrhunderts machen das Forum als wirtschaftliches und politisches Zentrum zu Kaiser Augustus’ Zeiten (dessen 2000. Todestag in diesem Jahr begangen wird), den Verfall und die Wiederentdeckung anschaulich. Die vortrefflich inszenierte Schau präsentiert auch eine detaillierte Forum-Rekonstruktion aus Erlangen und ein Flächen-Modell Roms der Antikensammlung Berlin.

Service

Bis 27. Juli, geöffnet Di bis So/Feiertage 10-17, Mi 10-20 Uhr. Eintritt: 6/4 Euro, bis 18 Jahre frei. Führungen an Sonn- und Feiertagen 15 Uhr. Infos: Tel. 0561/316800, www.museum-kassel.deBegleitprogramm, u.a. mit Fest zum Geburtstag Roms Ostermontag, 21. April, 12-17 Uhr, mit Kostümführungen, Aktionen für Kinder, ab 11 Uhr Gespräch mit den Kuratoren über Konzept und Idee der Schau. Katalog: 14,95 Euro

Von Mark-Christian von Busse

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