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Ausstellung über Göttinger Astronom Gauß in Celle

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Messgerät für Winkel: Theodolit, im Jahr 1866 angefertigt von A. Frerk und Sohn, Celle und Hannover.
Messgerät für Winkel: Theodolit, im Jahr 1866 angefertigt von A. Frerk und Sohn, Celle und Hannover. © Privat

Celler Ausstellung „Die wahre Vermessung der Welt“ über Carl Friedrich Gauß nimmt im Titel populär Bezug auf den fast gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann, hat inhaltlich damit aber nichts zu tun, sondern stellt die innovativen Messmethoden des Göttinger Astronomen vor.

Celle/Göttingen – Viele kennen ihn von Abbildungen auf dem Zehn-Mark-Schein: Carl Friedrich Gauß (1777-1855). Vor 200 Jahren hat der berühmte Universalgelehrte mit der Vermessung des Königreichs Hannover auf der Strecke zwischen Göttingen und Hamburg begonnen. Dabei ermöglichten die von ihm entwickelten Methoden eine bis dahin nicht erreichte Exaktheit. Das Bomann-Museum Celle widmet diesem weltweit bekannten Mathematiker die Sonderausstellung „Die wahre Vermessung der Welt“.

Zu sehen sind neben Texttafeln, Landkarten, Modellen, Hörstationen und Fotos auch historische Messgeräte. Dazu gehört ein Heliotrop, das Gauß 1818 entwickelte – eine Art Fernrohr mit Spiegel, mit dem er das Sonnenlicht mit Lichtgeschwindigkeit zu weit entfernten Zielpunkten umleiten konnte. Die Lichtsignale konnten von hohen Aussichtspunkten zugesandt werden, zum Beispiel vom Turm der Celler Stadtkirche zum 28 Kilometer entfernten Falkenberg.

Auf dieser Grundlage sowie von Gauß entwickelten mathematischen Methoden und vielfach wiederholten Winkelmessungen konnten Strecken zwischen der Nordsee und Göttingen mit einer Genauigkeit von rund 20 Metern bestimmt werden.

Gauß, der 1807 zum Direktor der Sternwarte Göttingen und später zum Professor für Astronomie an der Uni Göttingen berufen wurde und bis zu seinem Tode in Göttingen lebte, lieferte nicht nur die Methoden, sondern war mehr als 20 Jahre immer wieder mit Mitarbeitern in großen Teilen des heutigen Niedersachsens für Messungen und Berechnungen unterwegs. Seine Ergebnisse ermöglichten genauere Landkarten, die wiederum den Ausbau der Infrastruktur mit Straßen und Eisenbahnlinien begünstigten.

Die Ausstellung will mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt die Bedeutung von Gauß vermitteln: „Wir haben überlegt, wie man mit Experimenten die Messmethoden anschaulich machen kann“, sagt Kuratorin Hilke Langhammer und fügt hinzu: „An ein Heliotrop kann man keine Besucher ranlassen, denn es besteht bei unsachgemäßer Handhabung die Gefahr der Erblindung.“ Wer neugierig geworden ist, kann an einer Station die Entfernung zwischen zwei Punkten mit einer mathematischen Formel errechnen – und seine Lösung mit dem richtigen Ergebnis vergleichen, das es an der Museumskasse gibt.

Interesse weckt auch der Titel der Ausstellung, der an den Erfolgsroman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann aus dem Jahr 2005 anknüpft. Er ist den herausragenden Wissenschaftlern Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß gewidmet. Im Gegensatz zum Weltenbummler von Humboldt hält Gauß Reisen für Zeitverschwendung, geht am liebsten alleine am Professorenschreibtisch seinen Berechnungen nach und macht abfällige Bemerkungen über die Dummheit der Mitmenschen, insbesondere über seine Studenten und seine Kinder.

Kehlmann zeichnet das Bild eines Miesepeters, das Langhammer so nicht stehenlassen will: „Gauß hat sich sehr um seine Kinder gekümmert und sich in seinen Briefen positiv geäußert, auch wenn er von seinen Söhnen mehr erwartet hatte.“ Auch lange nach seinem Tod ist Gauß immer noch eine Entdeckung wert – die Ausstellung trägt dazu bei, auch wenn der Roman, auf den der Titel anspielt, im Museum keine Rolle spielt.

Bis 30. Mai, bomann-museum.de

Von Joachim Göres

Celler Stadtkirche: Gemälde von August Dankworth, 1840.
Celler Stadtkirche: Gemälde von August Dankworth, 1840. © Privat
Zehn-Mark-Schein: Porträt von Carl Friedrich Gauß.
Zehn-Mark-Schein: Porträt von Carl Friedrich Gauß. © Bomann-museum/NH

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