Ausstellung in Willingshausen: Die Grimm-Märchen in Bildern

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„Kommt sofort zurück, Kinder! Von Süßzeug wird man dick und kriegt Karies!“: Ein Cartoon des in Kassel lebenden Künstlers Gerhard Glück.

Willingshausen. „Grimms Märchen im Bild“ ist Thema einer Ausstellung zum Grimm-Jahr 2013, die am Samstag in der Kunsthalle im Gerhardt-von-Reutern-Haus in Willingshausen (Schwalm-Eder-Kreis) eröffnet wird.

Bernd Küster, Leiter der Museumslandschaft Hessen Kassel, der auch dem Vorstand der Vereinigung Malerstübchen in der ehemaligen Künstlerkolonie angehört, hat sie mit Bernhard Lauer, Leiter des Brüder-Grimm-Museums in Kassel, eingerichtet.

Eigentlich eine vermessene Idee, sagt Küster. Denn Ausstellungen zu Märchen-Illustrationen ließen sich „in Serie bestücken“. „Selbst die documenta-Halle in Kassel wäre nicht groß genug“, sagt Küster. Die Willingshäuser Schau müsse sich also auf eine sehr kleine, subjektive Präsentation beschränken. Sie sei aber gleichzeitig eine sehr feine Auswahl. Kinderbücher kommen gar nicht vor, vorgestellt wird die Rezeption der Märchenstoffe durch bildende Künstler, die sich eher an Erwachsene richtete.

Der Ort ist bewusst gewählt: Zum einen sollen Veranstaltungen zu „Grimm 2013“ überall in Nordhessen stattfinden, nicht nur in der Grimm-Stadt Kassel. Zum anderen hatten die Grimms, gerade Malerbruder Ludwig Emil, zeitlebens eine enge Verbindung ins Schwälmer Dorf, in dem ihr Marburger Studienfreund Friedrich von Schwertzell lebte.

Die Bremer Stadtmusikanten: Eine Illustration von Ali Schindehütte. Der gebürtige Nordhesse lebt in Hamburg.

Ludwig Emil war es auch, der die 1812/1815 zuerst erschienenen Kinder- und Hausmärchen für die „Kleine Ausgabe“ von 1825 mit sieben Illustrationen ergänzte (1823 hatte es bereits eine durch George Cruikshank bebilderte englische Veröffentlichung gegeben). Erst diese in 50 Auflagen erschienene Auswahl bewirkte den weltweiten Siegeszug der Märchen - ohne Illustrationen wäre ihr Erfolg nicht zu denken gewesen. Von Ludwig Emil Grimm sind in Willingshausen originale Entwurfszeichnungen und Radierungen zu sehen.

Von dort wird der Bogen gespannt bis zu Ali Schindehütte (73), der aus Schauenburg-Breitenbach stammt und den der „Spiegel“ gerade den „bedeutendsten Grimm-Illustrator“ unserer Zeit genannt hat. Von ihm - der laut Küster Ludwig Emil Grimm stets als Idol und geistigen Ziehvater betrachtete - sind vor allem Original-Porträts der im prächtigen Buch „Es war einmal“ versammelten Märchenzuträger zu sehen.

Dazwischen gibt es Bilderbögen des 19. Jahrhunderts etwa von Moritz von Schwind, Höhepunkte der Jugendstil-Grafik von Heinrich Vogeler, Zeichnungen von Wilhelm M. Busch (1908-1987) sowie Linolschnitte des 1929 geborenen DDR-Buchillustratoren Werner Schinko.

Köstlich abgerundet wird die sehenswerte Schau von Cartoons des Kasselers Gerhard Glück, von Hans Traxler und Rudi Hurzlmeier.

Service

Die Ausstellung der Vereinigung Malerstübchen in der Kunsthalle Willingshausen, Merzhäuser Str. 1, läuft bis 28. April.

Eröffnung: Samstag, 2.2., 16 Uhr.

Öffnungszeiten: Di bis Fr 14-17 Uhr, Sa/So 10-12, 14-17 Uhr.

Führungen am 17.2., 24.2., 3.3., 17.3., 24.3., 4.4., jeweils 15 Uhr.

Erster Vortrag am 14.2., 17 Uhr: „Ludwig Emil Grimm und seine Brüder“.

Infos: Tel. 06697/1418, www.malerkolonie.de, www.grimm2013.de, www.willingshausen.de

Zur Person: Otto Ubbelohde

Eine Ausstellung zu Grimm-Illustrationen ohne Otto Ubbelohde wäre kaum denkbar. Der 1867 in Marburg geborene Maler und Illustrator, der zu dem Quartett der Gründer der Künstlerkolonie Worpswede gehörte, wanderte oft zu Fuß in die Malerkolonie nach Willingshausen, wo er seine Skizzen anfertigte. Er verankerte mit seinen Abbildungen von Burgen, Türmen und Schlössern die Märchen in Hessen, indem er sie an konkreten Schauplätzen verortete. Auch in der Schwalm, wo etwa der Standort seines Bildes zu „Schneeweißchen und Rosenrot“ noch heute zu lokalisieren ist.

Gleichzeitig war Ubbelohde so klug, wie Bernd Küster erläutert, sich an das Ungefähre und Unbestimmte des „Es war einmal“-Tons der Märchen zu halten. Er beließ sie schablonenhaft und scherenschnittartig im Halbabstrakten. Küster: „Er hatte eine begnadete, herausragende zeichnerische Begabung.“

Ubbelohde illustrierte die 1907/09 sowohl in einem Band wie in drei Bänden in Leipzig verlegte Jubiläumsausgabe - und zwar vollständig alle Märchen in 448 Zeichnungen. Sie prägten mit riesigen Auflagen für Jahrzehnte und bis heute die Vorstellungswelt der Märchen, bis nach Vietnam, China und Südamerika, wie Bernhard Lauer weiß: „Ubbelohde ist ganz zentral für die weltweite Wirkung der Märchen.“ Ubbelohde, der unglücklich war über den Zeitdruck bei seinem Auftrag, erlebte diesen Erfolg nicht mehr. Er starb 1922 in Goßfelden.

Von Mark-Christian von Busse

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