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„Hat er das gemalet?“: Sonderschau zu Heinrich Tischbein

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Von: Kirsten Ammermüller

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Ausstellung „300 Jahre Johann Heinrich Tischbein d. Ä.“ im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel: Allegorie auf die Gründung der Kasseler Kunstakademie, um 1778.
„300 Jahre Johann Heinrich Tischbein d. Ä.“: Mit der Allegorie auf die Gründung der Kasseler Kunstakademie, um 1778. © Dieter Schachtschneider

Ausstellung „300 Jahre Johann Heinrich Tischbein d. Ä.“ in der Gemäldegalerie im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel würdigt den Künstler als Maler und Zeichner.

Kassel – Ein der Kasseler Bevölkerung wohlbekanntes Straßenschild aus dem Stadtteil Wehlheiden weist im zweiten Obergeschoss der Gemäldegalerie Schloss Wilhelmshöhe den Weg: Tischbeinstraße. Mit der Sonderausstellung „Der Maler als Zeichner – Der Zeichner als Maler: 300 Jahre Johann Heinrich Tischbein d. Ä.“ widmet die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) dem ältesten Vertreter der Malerfamilie eine umfassende monografische Sonderausstellung anlässlich seines Geburtstagsjubiläums.

Der 1722 in Haina geborene Sprössling einer Bäckerfamilie wurde bereits damals wegen seiner Porträtkunst geschätzt. Darüber hinaus hat sich Tischbein auch als Historienmaler, Grafiker und Hochschullehrer in der Kasseler Kunstakademie einen Namen gemacht. Im Selbstverständnis des Hofmalers war er jedoch ein Zeichner. Die Kuratoren Justus Lange und Malena Rotter würdigen den Künstler mit ihrer Werkauswahl in seiner Vielfalt als Maler und Zeichner. Sie beleuchten sein familiäres Verhältnis etwa in Porträts seiner Töchter sowie das zur ländgräflichen Familie, in deren Kreis sich der Maler auch gerne mit darstellte. Dabei können die Ausstellungsmacher überwiegend auf eigene Bestände zurückgreifen – Gemälde, Supraporten aus Wilhelmsthal sowie Zeichnungen der Grafischen Sammlung des Landesmuseums.

Johann Heinrich Tischbein gehörte zu der ersten Generation, die nicht mehr in das Handwerk der Familie einstieg, sondern aus der in drei Generationen 33 Maler und Malerinnen hervorgingen. Sein Talent fand schon früh in dem Grafen von Stadion einen Förderer und Mäzen. Mit dessen Unterstützung konnte der junge Johann Heinrich auf Studienreise nach Frankreich und Italien gehen, wo der Grundstein für sein feines Verständnis der Porträtkunst sowie sein Interesse an der Historienmalerei geweckt wurden, er aber auch grundlegende Fertigkeiten des Zeichnens erwarb. Auch hier verorten die Kuratoren den Maler in seinem europäischen Kontext.

Zurück in Hessen, so wollte es der Zufall, hielt Wilhelm VIII. Ausschau nach einem neuen Hofmaler. Als ihm ein Porträt aus der Feder des jungen Tischbeins gezeigt wurde, soll es den Landgrafen nicht länger in liegender Pose gehalten haben und er habe ausgerufen: „Hat er das gemalelt?“ Damit trat Tischbein in den Dienst der Landgrafen.

Friedrich II., der Sohn von Wilhelm VIII., wird von Tischbein als der Gründer der Kasseler Kunstakademie in Szene gesetzt, umringt von mythologischen Allegorien. Diese mythologische Einbindung des Herrschers als Förderer der Künste stellt im Sinne der Aufklärung den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus dar. Das wird in zahlreichen Werken der Ausstellung mit mythologischen Szenen, etwa wie die des Telemach, sichtbar.

Ein weiteres Kapitel der Ausstellung ist Tischbeins Entwurfspraxis: Anhand von kunsttechnologischen Untersuchungen werden den Besuchern Entwürfe und Übermalungen verdeutlicht, sowie Zeichnungen, Skizzen und Gemälde einander gegenübergestellt.

„Der Maler als Zeichner – der Zeichner als Maler: 300 Jahre Johann Heinrich Tischbein d. Ä.“ ist bis zum 5. Februar 2023 in der Gemäldegalerie, Schloss Wilhelmshöhe zu sehen, Di - So und Feiertags 10 bis 17 Uhr.

Tischbeins Tochter: Wilhelmine Caroline Amalie.
Tischbeins Tochter: Wilhelmine Caroline Amalie. © Schachtschneider, Dieter
Selbstbildnis im Alter: Johann Heinrich Tischbein.
Selbstbildnis im Alter: Johann Heinrich Tischbein. © Schachtschneider, Dieter

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