Songs zwischen Bourbon und Rotwein

Australierin Kat Frankie begeistert im Kulturzelt mit lässigem Arthouse-Pop

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Hat sich von der Akustik-Gitarre emanzipiert: Die Australierin Kat Frankie lieferte einen großen Auftritt im Kulturzelt.

Kassel. Das Image des traurigen Mädchens mit der Gitarre haftet Kat Frankie seit ihrem Debüt an. Mit ihrem neuen Album im Gepäck zeigt die Sängerin im Kulturzelt, wie Pop im Jahr 2018 funktioniert.

Von wegen Kat Frankie ist nur das traurige Mädchen mit der Gitarre. Zum einen kommt die in Berlin lebende Australierin im gut gefüllten Kulturzelt gar nicht erst mit Gitarre auf die Bühne – und nimmt sie an diesem Samstagabend auch nicht ein Mal in die Hand. Zum anderen zeigt die 39-Jährige bei ihrem mitreißenden und kurzweiligen Auftritt, wie Popmusik im Jahr 2018 funktioniert.

Waren die drei Vorgänger-Alben noch tief im Songwriter-Pop verwurzelt, strotzt Frankies neuestes Werk „Bad Behaviour“ vor Ideen und Experimentierfreude. Groovende Beats bei „Headed for the Reaper“, Trip-Hop-Anklänge bei „Spill“, Gänsehaut bei der Piano-Ballade „Finite“, schnörkelloser Rock bei der einzigen Zugabe „Home“ – Frankie spielt beinahe das komplette neue Album. Der breitere Sound mit ihrer vierköpfigen Band steht Frankies Musik gut. 

Ergänzt wird das 80-minütige Set durch Perlen der Vorgänger-Alben. „The Wild One“ und „Please don’t give me what I Want“ spielt Frankie solo mit ihrem Lieblingsinstrument: der Loopstation. Beeindruckend, wie sie Gesangslinie über Gesangslinie legt, das Publikum teilhaben lässt an der Entstehung ihrer Songs und ein Klangkorsett erzeugt, als stünde ein kompletter Chor auf der Bühne. 

Überhaupt – was für eine Stimme. Gerade noch glasklar und verletzlich, packt Frankie im nächsten Moment das Reibeisen aus. Die berührenden Texte klingen nie beliebig. Vielmehr, als seien sie in langen Nächten, zwischen Bourbon und Rotwein, in Hinterzimmern verrauchter Bars entstanden.

Die sympathischen wie lässigen Ansagen zwischen den 16 Songs kommen mal auf Deutsch, mal auf Englisch. Frankie schwärmt vom klaren Sound im Kulturzelt, in dem sie Ende Juli bereits als Bandmitglied von Olli Schulz zu Gast war. Als sich auf ihre Frage, wer das Konzert besucht habe, einige wenige Hände heben, sagt sie verschmitzt lächelnd: „Olli glaubt, er ist ein großer Influencer und dass ich alles ihm zu verdanken habe. Aber das ist offensichtlich nicht wahr.“ Nein, das ist es wahrhaftig nicht.

Nächste Termine im Kulturzelt an der Drahtbrücke: 22.8. Mogli; 23.8. Manu Delago. Beginn jeweils 19.30 Uhr.

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