Fahren "KB" wirklich nur "komplette Blödmänner"?

Lustige Autokennzeichen: In Kassel "kracht's schon" und Göttingen ist "gnadenlos öde"

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Kein Schildbürgerstreich: Autokennzeichen sagen mehr aus über den Fahrer, als man denkt. 

Kaum jemand lästert so schön wie Autofahrer untereinander. Ein Buch stellt die lustigsten Kennzeichen und ihre Bedeutung vor. Zuschreibungen wie "Alles Arschlöcher" im Ostalbkreis sind ein Stück Heimat.

Wer als Kind in der Bundesrepublik aufgewachsen ist, hat sein Heimatland über Autokennzeichen kennengelernt. Auf jeder Urlaubsreise spielten die Eltern mit einem das Spiel: "Woher kommen die Autos, die wir überholen oder die uns überholen?" So lernte man schnell, dass "HSK" nicht für Hunsrück, sondern für den "Hochsauerlandkreis" steht.

Eine längere Autofahrt war die kleine Schwester des Erdkunde-Unterrichts. Und manchmal machte man kleine Abstecher in Sozialkunde. Denn das Kennzeichen sagt nicht nur etwas über die Herkunft des Fahrers aus, sondern auch über dessen Fahrstil. Das legt jedenfalls Werner Breems hübsches Büchlein nahe, das den aussagekräftigen Titel trägt: "Zeig mir dein Kennzeichen und ich sag dir, wie scheiße du fährst." Mehr als 500 Autokennzeichen und deren spezielle Bedeutung listet der Autor auf - von "Alles Arschlöcher" aus dem Ostalbkreis ("AA") bis zu den "Wilden Zechern" aus Wetzlar ("WZ").

All die teils saukomischen, teils nur albernen Abkürzungen zeigen: Das Autokennzeichen ist ein Stück Heimat. Und die definiert sich immer auch durch eine Abgrenzung zu anderen - und sei es nur zu denen, die angeblich nicht so gut fahren können wie man selbst.

Das funktioniert überall. Offenbacher ("OF") sind für Frankfurter ("F") nur Leute "ohne Führerschein". Und "Hinterm Ratio" ("HR") beginnt im Schwalm-Eder-Kreis für Kasseler die Heimat der "Hessischen Rindviecher" und "Hydranten-Rambos". "KS" wiederum steht laut Breem für "Kracht schon" und "Karosseriestreifer". Weiter nördlich ist Göttingen ("GÖ") nur "gnadenlos öde".

Während man sich in Eschwege ("ESW") im "Endstadium schwersten Wahnsinns" befindet und wo zudem das Prinzip "Esel sucht Weg" gilt, gibt es in Waldeck-Frankenberg ("KB") nur "komplette Blödmänner" und ein "kriegerisches Bergvolk". In Hersfeld-Rotenburg ("HEF") jubelt man hingegen: "Hurra, er fährt!" (und sei es nur in "Henkers eigenem Fahrzeug").

Manches ist ganz und gar nicht politisch korrekt. Tief im Osten glaubt man etwa, dass in der Uckermark ("UM") "Untermenschen" leben. Dagegen ist selbst der Witz über Neustadt an der Waldnaab ("NEW") große Lyrik: In dem Landkreis in der Oberpfalz findet man nur "noch einen Wichser", was humorästhetisch nicht weit entfernt liegt von Nienburg an der Weser ("NI"), wo "nur Irre" wohnen und sich eine "Nationale Irrenanstalt" befindet. Dort werden eines Tages womöglich auch die Autofahrer aus Baden-Baden eingeliefert, denn "BAD" steht in Szenekreisen für "Bin auf Droge".

Wer nun einwendet, dass all die Bezeichnungen nur eine hübsche Spielerei seien und nichts mit der Wirklichkeit zu tun hätten, der hat voriges Jahr diese Nachricht verpasst: Da wurde bekannt, dass Autofahrer aus Kassel künftig mehr für ihre Kfz-Haftpflichtversicherung zahlen müssen. Grund: In der Stadt gab es zuletzt verhältnismäßig mehr und teurere Blechschäden. "Kracht schon" stimmt also doch, lästern die "Hessischen Rindviecher",die "hinterm Ratio" wohnen.

Werner Breem: Zeig mir dein Kennzeichen und ich sag dir, wie scheiße du fährst: Über 500 Autokennzeichen und was sie über den Fahrstil verraten – von A wie Anwanzer bis Z wie Zauderer. Riva-Verlag, 192 Seiten, 7,99 Euro. Hier gibt es eine Leseprobe.

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