Von der Schwierigkeit, erwachsen zu werden

Vellmar. In der heutigen Gesellschaft, wo Unvollkommenheit keinen Platz habe, sagte Arno Geiger, wolle er den Blick auf das schwierige Alter des Erwachsenwerdens lenken.

Auf Einladung des Literaturvereins „Ecke und Kreis“ präsentierte der österreichische Autor Passagen aus seinem Roman „Selbstporträt mit Flusspferd“ in Vellmar. Der 22-jährige Ich-Erzähler Julian studiert Tiermedizin und hat sich gerade von Judith getrennt, da er Angst hatte, etwas zu versäumen.

Selbstzweifel setzen ein rasendes Räderwerk an Gedanken in Gang. Julian meint, seiner Freundin das Leben versalzen zu haben, ist aber gleichzeitig der Auffassung, ein Leben mit Judith wäre eine Einöde gewesen. Als er seine Habseligkeiten bei Judith abholt, kommt es zu einer ätzenden Auseinandersetzung bei der Aufteilung der DVDs.

Da Judiths Vater die Miete für die Wohnung seiner Tochter bezahlt, stellt er Julian anteilige Kosten in Rechnung. Angesichts dieser Bedrängnis nimmt Julian einen Job bei Professor Beham an, der ein Zwergflusspferd aus illegalem Import bei sich aufgenommen hat. Das einzelgängerische Tier lebt in einem Teich, frisst, schläft, taucht. Julian versorgt die Zwergin mit Karotten und Roter Bete, beschreibt sie als ein „pralles, glänzendes Paket Natur“, zu dem es nicht möglich ist, Kontakt zu bekommen. Er fühlt sich genauso einsam wie das Tier. Dann jedoch verliebt er sich in die Tochter des Professors.

Mit viel Sprachakrobatik erzählt Arno Geiger die Geschichte seines Protagonisten, wechselt geschickt von Dialogen in Gedankenprosa und zeichnet ein genaues Bild der inneren Unsicherheit junger Menschen.

Arno Geiger: Selbstporträt mit Flusspferd. Hanser, 288 S., 19,90 Euro.

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