Klavier-Konzerte mit Stadtfeld und Knauer

Wie Bach auf dem Flügel Spaß macht

Johann Sebastian Bach schrieb seine Klavierkonzerte für das Cembalo. Im    Zuge der historisch informierten Aufführungspraxis war es daher eine Weile verpönt, diese Konzerte auf dem modernen Flügel zu spielen. Mehrere Pianisten haben in jüngster Zeit dieses unausgesprochene Verbot übertreten - und taten gut daran.

Martin Stadtfeld (31), der zu den eigenwilligsten jüngeren Pianisten zählt, hatte gegen den Trend schon 2007 mit den Festival Strings Luzern Bach-Konzerte eingespielt. Jetzt legt er Teil zwei vor, diesmal mit dem Philharmonischen Kammerorchester München.

Der Reiz dieser Einspielung der drei Konzerte mit den Bachwerke-Verzeichnisnummern 1054, 1055 und 1058 liegt in der Verbindung von artikulierter, historisch weit gehend korrekter Spielweise des Orchesters mit der swingenden, im ganz eigenen Ton gehaltenden Spielweise Stadtfelds. Eher zurückgenommen als auftrumpfend, niemals rhythmisch monoton insistierend spielt der gebürtige Koblenzer, und überrrascht immer wieder mit kleinen Freiheiten, die Puristen die Nase rümpfen lässt. Etwa wenn er gelegentlich Stimmen oktavverdoppelt wie im Finalsatz von BWV 1055. Doch diese sparsam gesetzten Eingriffe machen die Konzerte nur noch plastischer. Eigenwillig auch Stadtfelds CD-Beigabe, eine eigene Klavierbearbeitung der acht kleinen Präludien und Fugen für Orgel, bei denen die Autorschaft Bachs fraglich ist.

Im direkten Vergleich weniger spannend wirken die Konzerte BWV 1052 und 1053 von Sebastian Knauer (40) mit dem Zürcher Kammerorchester und Sir Roger Norrington. Der Hamburger Knauer spielt „korrekter“ und manuell ähnlich brillant wie Stadtfeld, aber rhythmisch monotoner. Diese Aufnahme, die mit zwei Konzerten der Bach-Söhne Carl Philipp Emanuel und Johann Christian kombiniert ist, wird ihre Fans finden. Dennoch: Wenn ein Könner wie Stadtfeld sich über Regeln hinwegsetzt, hat der Hörer deutlich mehr Spaß.  Martin Stadtfeld: J. S. Bach Klavierkonzerte. Sony Classical, Wertung: !!!!:

Sebastian Knauer: Bach & Sons, Piano Concertos. Berlin Classics. Wertung: !!!::

Von Werner Fritsch

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