Barockmusik beim Konzert im Opernfoyer

Bach ist gnadenlos schwierig

Beklatscht: Manfred Schumann (von links), Skerza Singer und Heiko Pape vom Consortium Casselanum. Foto:  Schachtschneider

KASSEL. Ob romantische Sinfonik, ob Filmmusik - in verschiedenen Genres glänzen die Musiker des Staatstheaters. Auch in der Alten Musik können sie mitreden, was umso mehr Respekt verdient, als man den Barocksound diverser Spezialensembles im Ohr hat. Mit modernen Instrumenten lässt sich ein überzeugender Kompromiss erzielen - wie beim jüngsten Kammerkonzert im Opernfoyer.

Der vibratolose Streicherklang war genau richtig für die Dissonanzen des vor 350 Jahren geborenen Henry Purcell, dessen Pavane und Chaconne g-Moll den archaisch wie heutig wirkenden Auftakt bildeten. Wer die Esoterik des Münchner Labels ECM schätzt, müsste auch an Purcells tiefer Melancholie Gefallen finden.

Es folgten zwei Kantaten von Dieterich Buxtehude, ein Concerto grosso von Händel und Bachs Kantate „O angenehme Melodei“. Insgesamt wurde der Cembalopart recht brav, wenig ausgeziert gespielt. Unter den beiden Bläserinnen hatte die Flötistin Annemarie Proske den Drive auf ihrer Seite, auch wenn eine moderne Querflöte in Barockmusik noch ungewohnter erscheint als moderne Streichinstrumente. Der Haupteindruck war jedoch, dass das Sopransolo in Bachs Kantate gnadenlos schwer ist.

Die Gastsopranistin Petra Labitzke überzeugte mit guter Textdeutlichkeit und Leichtigkeit bei den (meisten) Koloraturen. Die hohe Stimmlage klang aber eher dünn. Mit der Länge der Arien und der gleichsam instrumentalen Stimmbehandlung trägt dies zu einer Schwierigkeit bei, die schon zu Bachs Zeit lebhaft diskutiert worden war.

Viel Beifall von den rund 170 Zuhörern gab es für die heroische Petra Labitzke und die hier im „Consortium Casselanum“ vereinten Katja Geismann, Elvan Schumann (Violinen), Skerza Singer (Viola), Manfred Schumann (Violoncello), Heiko Pape (Kontrabass), Annemarie Proske (Flöte), Ute Liebich (Oboe d’amore) und Thomas Rimes (Cembalo). In den Zugaben noch Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“ und das Adventslied „Tochter Zion“.

Von Georg Pepl

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