Bach in Sandalen: Profis des Staatsorchesters spielten Straßenmusik

Applaus gab es schon zwischen den Sätzen: Cellist Wolfram Geiss in der Unterführung im Philosophenweg. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Bildungsbürger, aber auch hippe Leute wie ein junger Mann mit Baseballkappe und St.-Pauli-Sweatshirt: Ein bunt gemischtes Publikum aus 120 Zuhörern fand sich Donnerstagabend bei der Unterführung am Weinberg ein. Dort gab es etwas Ausgefallenes: Profis aus dem Staatsorchester traten als Straßenmusiker auf.

Bach kann man auch in Sandalen darbieten: Locker im Auftritt, doch genauso nuancenreich wie im Kammerkonzert spielte Wolfram Geiss die erste Cellosuite des Barockgenies. Dass die Leute schon zwischen den Sätzen applaudierten, normalerweise ein Sakrileg, das mit strengen Blicken bestraft wird, störte niemanden.

Die Klarinettistin Sabine Neher präsentierte dann die virtuosen, kapriziös wendigen Möglichkeiten ihres Instruments. Reizvolle Stücke hatte sie mitgebracht, und zwar vom Opernmeister Gaetano Donizetti („Studio Primo“) und vom Schweizer Komponisten Heinrich Sutermeister („Capriccio“).

Ins Jahr 1922, in dem es heftig zugegangen sein muss, führte Joachim Schwarz. Der Bratschist machte sich für die Solosonate op. 25 Nr. 1 von Paul Hindemith stark und zitierte eine berüchtigte Spielanweisung des jungen Draufgängers: „Rasendes Zeitmaß, wild, Tonschönheit ist Nebensache“. Das rockte - und passte auch zu den Graffiti in der Unterführung.

Zum Ausklang hatten die drei eine charmante Straßenmusik-Suite des Oldenburger Komponisten Uwe Heger dabei. So war es eine frische, gemeinsame Veranstaltung der Plasma-Konzerte und des Projekts „Raum für urbane Experimente“. Einen hippen popmusikalischen Rahmen gab’s außerdem: von der Gruppe Projektor mit ihren Soundbikes, das sind Fahrräder mit Lautsprechern vorn drauf.

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