1. Startseite
  2. Kultur

Bachs Weihnachtsoratorium begeisterte in Kirchditmold

Erstellt:

Kommentare

Konzert Michael Töpel „Friedenskantate“ Wolfgang Amadeus Mozart „Messe c-Moll“ am 03.02.2019 um 15 Uhr in der Kirche Kirchditmold
Archivfoto vom Konzert Michael Töpel „Friedenskantate“ Wolfgang Amadeus Mozart „Messe c-Moll“ am 03.02.2019 um 15 Uhr in der Kirche Kirchditmold © Andreas Fischer

Ob Johann Sebastian Bach im Dezember 1734 geahnt hat, welchen Anklang sein Weihnachtsoratorium 288 Jahre später finden wird? Das hätte er in der Kirchditmolder Kirche erfahren.

Kassel – Schlangestehen für den Thomaskantor, das hieß es am zweiten Advent vor dem Eingang der Kirchditmolder Kirche. Auf dem Programm standen die Kantaten 1, 3 und 6 aus dem sechsteiligen Werk – eine von festlichem D-Dur geprägte Musik. Sie wurde zum glanzvollen Erlebnis.

„Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“: Von Beginn an übermittelten die Ausführenden Bachs Botschaft auf packende Weise. Kirchenmusikdirektor Michael Gerisch sorgte als Dirigent für barocken Schwung sowie lebendige Tempi. Und er animierte die Kantorei Kirchditmold zu einer starken Leistung.

Da überzeugten nicht nur die kunstvollen mehrstimmigen Sätze. Auch der Fluss der Musik war mitreißend. Zum Beispiel in der dritten Kantate: Nach dem prächtigen Chor „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“ kündigt der Evangelist in einem kurzen Rezitativ das Gespräch der Hirten an. Blitzschnell setzte dieser treibende Chorsatz „Lasset uns nun gehen gen Bethlehem“ ein. Ein markanter Effekt!

Bemerkenswert auch, wie Gerisch das Tempo und den Ausdruck der Choräle abstufte: Während etwa „Ich will dich mit Fleiß bewahren“ anrührend und recht getragen daherkam, ertönte kurz darauf der Choral „Seid froh dieweil“ durchaus offensiv.

Als ein Kraftzentrum der Aufführung erwiesen sich die Mitglieder des Staatsorchesters Kassel. Nicht nur bei der Romantik eines Richard Wagner und Anton Bruckner agieren sie großartig, sondern eben auch im Stil des 18. Jahrhunderts. So kam das virtuose Element von Bachs Musik energisch zur Geltung – vorzügliche Soli inbegriffen.

Ein hohes Niveau steuerten auch die Gesangssolistinnen und Solisten bei. Der bekannte Tenor Markus Schäfer, der als Professor in Hannover lehrt, sang die Partie des Evangelisten und seine Arie so differenziert wie sprachsensibel. Ein versierter Sänger ist Jörg Hempel (Bass), auch wenn die höheren Töne nicht gänzlich frei von Anstrengung schienen. Rein und innig klang die Stimme von Mechthild Seitz (Alt). Kraftvolle Akzente setzte Sopranistin Traudl Schmaderer, als sie die Falschheit des Herodes bloßstellte.

Das Schlangestehen hatte sich mehr als gelohnt: Nach dem glänzenden Bach-Erlebnis gab es üppigen Beifall und Standing Ovations in der voll besetzten Kirche. (Georg Pepl)

Auch interessant

Kommentare