„20 Skulpturen zum Befassen“ von Walter Green in der Kaufunger Stiftskirche

Der die Balken sprechen lässt

Eindringlich: Walter Greens Skulpturengruppe „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“. Foto: Jost/nh

Kaufungen. Schier unendlich muss der Erfahrungsschatz eines alten Baumes sein, hat er doch die Veränderungen um sich herum während eines Jahrhunderts still beobachtet und Generationen Schatten gespendet. Walter Green ist ein Künstler, der den Geschichten eines Baumes lauscht und dessen Eigenarten für seine Skulpturen herausarbeitet und sichtbar macht.

In einer Ausstellung in der Kaufunger Stiftskirche präsentiert der Bildhauer „20 Skulpturen zum Befassen“, die der Vergangenheit des Holzes nachgehen und ihm mit meist christlichen Motiven eine neue Bedeutung verleihen.

Die menschliche Gestalt selbst spricht aus den Skulpturen von Walter Green. Sie ist durch die maximale Reduktion der Form auf die Aussage christlicher Motive und poetischer Zitate konzentriert. Jede Skulptur ist nach der gleichen Form gestaltet, in welcher aus dem weitgehend unbearbeiteten Balken der Kopf herausgebildet ist. Doch sind in der angedeuteten Haltung und der Spannung zwischen dem rohen Balken und dem Kopf, Ethos und Bedeutung der Figur verdichtet.

Green schafft so einen beeindruckenden Spannungsbogen zwischen Morbidität und ausdrucksstarker Lebendigkeit. Ausdrücklich wird auf Schildern dazu eingeladen, die Kunstwerke zu berühren. So kann der Kontrast der Figuren auch ganz direkt begriffen und erfahren werden.

Die Geschichte des Materials ist für den Künstler genauso wichtig wie die Form. Die meisten Skulpturen sind aus ausrangierten Eichenbalken von Abbruchhäusern gefertigt. Spuren ihrer ehemaligen Verwendung sind bewusst erhalten und in die Figur mit eingearbeitet. Eine Ausstellung, die in der wunderschönen Stiftskirche einen hervorragenden Ort gefunden hat, und für die sich eine längere Anfahrt lohnt. Foto: Ammermüller

Walter Green „20 Skulpturen zum Befassen“, Stiftskirche Kaufungen, bis 1. September, täglich 10 bis 18 Uhr.

Von Kirsten Ammermüller

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