Warum die Schlagerkomponistin Sigrid Adam aus Fritzlar Ärger mit dem Deutschen Fußball-Bund hat

Mit Ballack davor gibt’s kein Tor

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Vielleicht wären sie ein gutes Team gewesen: Sigrid Adam aus Fritzlar hat ein Anfeuerungslied für die Fußball-Nationalmannschaft und deren Kapitän Michael Ballack geschrieben - aber der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte etwas dagegen.

Fritzlar. Nun kann niemand sagen, Sigrid Adam sei schuld, wenn die deutsche Fußball-Nationalelf bei der Weltmeisterschaft in Südafrika vorzeitig ausscheidet.

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So hört sich der Song an

Die Schlagerkomponistin aus Fritzlar hat ein Anfeuerungslied für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw geschrieben, aber der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat ihr die Verwendung verboten.

Die Geschichte von Sigrid Adam ist eine Geschichte über zwei Welten - in der einen lebt eine Frau, die Spaß an der Musik hat und vielleicht ein bisschen naiv ist; in der anderen geht es darum, möglichst viel Geld zu verdienen.

Adams Geschichte beginnt im Sommer 2009, als sie im Garten Unkraut jätet und plötzlich eine Melodie und einen Text im Kopf hat. Die 49-Jährige hat schon 120 Lieder komponiert und immer ein Diktiergerät dabei.

Darauf singt sie die neuen Zeilen: „Kommt, macht heut’ alle mit, / wir feuern euch an, weil Deutschland gewinnt.“ Und: „Ihr schafft es bestimmt, wir haben Vertrau’n, / wir können auf euch, die deutsche Mannschaft bau’n / mit Adler im Tor und Ballack davor, / gibt es für den Gegner auch keine Chance zum Tor.“

Wer jetzt die Nase rümpft, muss zugeben, dass er schon schlechtere Fußball-Texte gehört hat. Adam freute sich und dachte: „Das passt.“ Weil sie keine Noten und kein Instrument kann, ließ sie „Deutschland gewinnt“ von einem Musiker einspielen, schickte die MP3-Datei an den DFB und fragte, ob sie das Lied öffentlich spielen dürfe.

Einen Tag später hatte sie eine Mail der DFB Wirtschaftsdienste GmbH im Postfach, in der Adam die kommerzielle Verwendung untersagt wurde. Wegen der Spielernamen und der Verwendung von Begriffen wie „Deutschland“ werde ein direkter Bezug zur Nationalmannschaft „und damit zu einem Produkt des DFB“ hergestellt, hieß es.

„Das hat mir weh getan“, sagt Adam, die dann den Mann von den Wirtschaftsdiensten anrief und fragte, ob sie nicht die Telefonnummer von Kapitän Ballack und von Torwart Adler haben könne. Sie wolle die Spieler selbst fragen, die hätten bestimmt nichts gegen ihr Lied. Aber der Mann gab ihr die Nummern nicht.

Mittlerweile hat Adam ihre Geschichte vielen Journalisten erzählt. Sie ist jetzt bekannter, als wenn ihr Lied ein kleiner Hit geworden wäre wie vor fünf Jahren, als einer ihrer Schlager bis auf Rang 23 der belgischen Charts kletterte. Aber warum sie keine Genehmigung bekommen hat, versteht sie immer noch nicht.

Rolf Hocke, DFB-Vizepräsident aus Wabern, kann den Ärger nachvollziehen: „Außenstehende werden den Kopf schütteln, aber manche Dinge sind nicht so einfach.“ Die Marketingrechte, erklärt Hocke, sind geschützt, alles muss vom DFB genehmigt werden. Namen sind Produkte Das bestätigt Klaus Quirini vom Verband Deutscher Musikschaffender: „Spielernamen sind wie Markenprodukte.“

Hätte Adam das Lied ohne Genehmigung veröffentlicht, wäre das womöglich teuer geworden. Quirini beriet einst einen Musiker, der „Go, Michael, Go“ sang und auf dem Cover einen roten Flitzer zeigte. Bald bekam er einen Brief von Michael Schumachers Anwalt mit der Androhung einer Millionenklage.

Dagegen geht es Sigrid Adam heute ganz gut. Im Juli bringt die Hausfrau ihre zweite CD heraus. Und „Deutschland gewinnt“ hat sie mittlerweile umgedichtet. Statt „Wir jubeln allen zu, / Philipp, das schaffst du“ heißt es nun: „Wir jubeln allen zu, / wir schießen ihn heut’ rein.“ Dass sich das nicht reimt, daran ist letztlich der DFB schuld.

Von Matthias Lohr

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