Der Folk blieb auf der Strecke

Balladen ohne Banjo: Der neue Sound der britischen Band Mumford & Sons

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Haben mit „Wilder Mind“ etwas gewagt: Sänger Marcus Mumford (rechts) und die Musiker (von links) Winston Marshall, Ted Dwane und Ben Lovett von der Band Mumford & Sons

Vor sechs Jahren feierte die britische Band Mumford & Sons ihren weltweiten Durchbruch und läutete das Folk-Revival ein. Nun klingt das Quartett plötzlich nach Coldplay.

Du warst alles, wonach ich mich immer gesehnt habe“, singt Marcus Mumford, Frontmann der Band Mumford & Sons, im Song „The Wolf“. Die Fans dürfen sich drei Jahre nach Veröffentlichung des letzten Albums auch freuen. Das Warten hat ein Ende. Sehnen sie sich allerdings bei „Wilder Mind“ nach den gewohnten Klängen, werden sie enttäuscht.

Die munteren verspielten Folk-Klänge und das Banjo, das Markenzeichen der Band, sind verschwunden. Anstelle der Akustikinstrumente dominieren elektronische Klänge die zwölf Songs auf der Platte. Dass das dritte Album musikalisch einen anderen Weg einschlägt als die beiden Vorgänger, ließ sich schon beim Hören des ersten vorab veröffentlichten Songs „Believe“ erahnen: Der treibende Rhythmus der Trommeln und die Mehrstimmigkeit fehlen, einzig die markante Stimme von Sänger Mumford erinnert an die frühere Musikrichtung der Südlondener.

Es ist offensichtlich: Die vier Briten, denen lange das Image von Straßenmusikern anhaftete, haben sich verändert. Bei ihrer Gründung 2007 trugen Winston Marshall, Ben Lovett, Markus Mumford und Ted Dwane noch Leinenhemden. Mit ihren munteren Liedern vermittelten sie einen Touch von Lagerfeuer-Feeling. Der große Durchbruch kam dann 2009. Mit ihrem ersten Album „Sight No More“ haben die vier Musiker einen Dauerbrenner erschaffen. Ein Jahr nach Veröffentlichung erreichte es den zweiten Platz der englischen Charts, sechs Songs daraus kamen in die Billboard Hot 100. Damit stellten Mumford & Sons einen von den Beatles aufgestellten Rekord ein. Außerdem leitete die Band damit das Folk-Revival ein.

Mit dem neuen Album haben die Vier etwas gewagt. In einem Interview zu dem zweiten Album „Babel“ gab Keyboarder Ben Lovett an, dass Mumford & Sons sich musikalisch nicht wiederholen will. Insofern ist das Quartett sich treu geblieben.

Die Texte der Lieder auf „Wilder Mind“ handeln weiterhin von Liebe, Verlangen und Beziehungsende. Die meisten Songs auf dem Album sind ruhig und regen zum Nachdenken an. Was allerdings nicht mehr zu finden ist, sind Lieder, die das Gefühl der Leichtigkeit vermitteln, das der Band immer anhaftete.

Das neue Album ist mutig, und die Musiker haben ein Werk erschaffen, das sich von der Erwartungshaltung der Fans abheben dürfte, da es kaum noch mit den früheren Alben vergleichbar ist. Die Band klingt jetzt stark nach Coldplay und den Kings of Leon. Mumford & Sons haben auf „Wilder Mind“ etwas gewagt. Dabei blieb der Folk auf der Strecke.

Mumford & Sons: Wilder Mind (Gentlemen of the Road/Island) Wertung: drei von fünf Sternen

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