Die Ballettschule Dushevin’s zeigte „La fille mal gardée“

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Der Hahn und die Hennen: Hühnerballettszene aus „La fille mal gardée“ im Opernhaus.

Kassel. Lise will Colas. Punkt, Aus. Doch Mutter Simone hegt für ihr Töchterlein ganz andere Pläne und hat sie Alain, dem Sohn des Weinbauern, versprochen. Doch auch in klassischen Balletten siegt das Happy End.

Die Geschichte um eine verbotene Liebe und einen guten Ausgang, das Ballett „La fille mal gardée“ (Die schlecht behütete Tochter), kam erstmals 1789 mit dem Libretto und der Choreografie von Jean Daubervall heraus. Jetzt stellte die Ballettschule Dushevin’s den Klassiker mit der schlichten Handlung zum ersten Advent auf die Bühne des Opernhauses.

Jana und Valery Dushevin haben in ihrer Choreografie das süßliche Zuckerwerk-Ballett aus der bäuerlichen Idylle mit viel naivem Charme und komödiantisch-pantomimischen Einlagen ausgestattet. Da tanzt zur Musik von Ferdinand Herold ein ganzes Hühnerballett einschließlich Macho-Gockel über die Bühne, umringen Erntehelferinnen in flatternden Tüllröcken den Maibaum und halten die rosa Bänder, wenn die kleine Ballerina in der Mitte ihre Arabesken dreht.

Die zwanzigjährige Madita Butzbach tanzt die Lise mit Anmut und Präzision, zart in ihrer Liebessehnsucht und trotzig in ihrer Auseinandersetzung mit der Mutter. Valery Dushevin, einziger Profitänzer im Ensemble, gibt seinem Colas enorme Sprungkraft und Dynamik mit, eigentlich ein eleganter Herr, der den Schäfer gibt. Alexander Siegert als Mutter Simone, eine Rockrolle für männliche Tänzer, und der trottelige Alain von der 16-jährigen Lisa-Marie Koch haben bei ihren skurrilen Einlagen die Lacher auf ihrer Seite: etwa wenn Simone beim Holzschuhtanz wild die Beine schwingt und erkennen lässt, dass sie auch mal jung war.

91 Mitwirkende zwischen neun und 50 Jahren standen auf der Bühne, die bezaubernden Kostüme wurden von Helena Haas genäht, das Bühnenbild mit seiner ländlichen Idylle und dem Zimmer mit Aussicht selbst entwickelt: Bei den Dushevins, der einzigen Ballettschule für ausschließlich klassischen Tanz in Kassel, entsteht alles als Gemeinschaftsleistung, ein kultureller Nährboden verbindet alle Beteiligten. Da mögen die Stücke alt sein, das Ergebnis ist jung, sehr jung.

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