"Band für normale Leute": Sänger Hartmut Engler über das neue Album seiner Band Pur

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Die Band Pur.

Auch auf dem neuen Album der Band Pur gibt es flotten Pop und romantische Balladen. Wir sprachen mit Frontmann Hartmut Engler (50) über das gerade erschienene „Schein & Sein“.

Herr Engler, es heißt, Pur-Konzerte seien wie Gottesdienste. Demnach wären Sie ein singender Seelsorger. Erwarten die Menschen von Ihnen Trost?

Hartmut Engler: Wenn ich mit meinen Texten dem einen oder anderen aus dem Herzen sprechen sollte, liegt das möglicherweise daran, dass wir mit unseren Songs über die Jahre ein relativ normales deutsches Dasein aus vielen Perspektiven beleuchtet haben. Wir sind nicht abgehoben, sondern selbst Teil von ganz normalen Familien.

Es heißt immer, die Musik sei ein Ventil – ein Klischee?

Engler: Wenn sich Druck aufgestaut hat, dann kann Musik ein Ventil sein. Auf dem neuen Album gibt es ein Lied, bei dem wir gemeinsam Druck ablassen. „Du lügst“ ist all jenen gewidmet, die uns mal verschaukelt haben, Frauen, Freunde oder Finanzberater. Mit denen wollen wir nichts mehr zu tun haben. Dieses Lied hat uns viel Freude gemacht.

In dem Lied „Hohlraumversiegelung“ beklagen Sie sich über „Smalltalk“ und „Wortmüll“. Ist das Ihre Art, Dampf abzulassen?

Hartmut Engler

Engler: Mich nerven bestimmte Situationen, wenn ich zum Beispiel im Zug sitze und hinter mir erzählt einer am Handy, ob die Vorbereitungen für die Geburtstagsparty der Kleinen schon voll im Gange sind und zwar in einer Lautstärke, dass ich dabei nicht lesen kann. Und vor mir erzählt ein Business-Typ seinem Vorstandsvorsitzenden in China, wie viele Einheiten er gestern verkauft hat. Die Leute sind so unverschämt. Ich wollte einfach nur versuchen, mit dem Wort „Hohlraumversiegelung“ einen lustigen Song zu machen. Weil ich meinen Kindern gesagt hatte, man könne eigentlich aus allem einen Song machen.

Pur wurde mal als die Band einer schweigenden Mehrheit bezeichnet. Wie fanden Sie das?

Engler: Als ich das las, dachte ich, ja, da ist was dran. Die Pur-Fans sind nicht diejenigen, die immer und überall die Klappe aufreißen. Sie fühlen sich nicht unbedingt vertreten, wenn es darum geht, wer gerade hip ist. Wir sind die Band für normale Leute, die einfach gute Musik hören wollen und keine Extravaganzen brauchen.

Inzwischen ist Pur auch ein Thema fürs Feuilleton. Überrascht Sie das?

Engler: Ich glaube, das hatte etwas mit meiner privaten Krise zu tun. Erst der Umgang mit meiner Burnout-Erkrankung hat dazu geführt, dass wir heute ernster genommen werden. Auch sehe ich nicht mehr aus wie 1996 mit der blonden Locke und der Vokuhila-Frisur. Hört man sich unsere Musik einmal genau an, wird man merken, dass wir unsere Sache musikalisch und textlich gut machen.

Das bisher bekannte nächste PUR-Konzert in der Nähe von Kassel findet am Sonntag, 7. Juli 2013, als Open-Air-Ereignis in Beverungen statt. Beginn ist um 20 Uhr. 
Eintrittskarten gibt es beim HNA-Kartenservice in der Kurfürstengalerie in Kassel, in allen HNA-Geschäftsstellen, unter der Rufnummer 0561-203 204 und unter hna-kartenservice.de

Zur Person: Hartmut Engler

Geboren: am 24. November 1961 in Großingersheim am Neckar

Ausbildung: Lehramtsstudium der Anglistik und Germanistik (abgebrochen)

Beruf: Musiker und Sänger

Die Band: Mit Schulfreunden gründete Engler 1978 die Gruppe Opus. Als eine österreichische Band gleichen Namens mit „Live is life“ die Charts stürmte, nannte sich die Band in Pur um. Vor allem in den 90ern landete sie mit Alben wie „Abenteuerland“ große Erfolge.

Privates: Engler ist zum zweiten Mal verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Bietigheim-Bissingen und auf Mallorca.

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