Viel Applaus für ein liebevolles Weihnachtsmärchen:

Video: "Die kleine Meerjungfrau" - Weihnachtsmärchen am Staatstheater

Kassel. Wenn die Meerjungfrauen mit den Badeschwämmen ihre Schuppen polieren, erzählt ihnen die Oma vom mysteriösen Leben oberhalb des Meeres. Die Fische, sagt sie, sitzen dort auf den Bäumen und tirilieren, und diese Menschen haben keine Schwänze, sondern hässliche Stelzen.

Bella, die Meerjungfrau (liebenswert mädchenhaft und mutig zugleich: Melanie Nawroth, Zweitbesetzung: Lucia Knäpper), findet das dermaßen faszinierend, dass sie schnellstens nach oben strebt. Und sich in den ersten Menschen verliebt, den sie erblickt, den Prinzen. Diesen Eduard lässt Simon Jensen agieren, als wäre Barbies Ken lebendig geworden: herrlich überkandidelt.

Insgesamt laufen die Dinge dann nicht so toll für Bella im Märchen „Die kleine Meerjungfrau“, das Peter Seuwen nach Hans Christian Andersen fürs Kasseler Staatstheater bearbeitet hat. In seiner und Dieter Klinges Regie wird der 75-Minüter jetzt im Opernhaus als Weihnachtsstück gezeigt, zur ausverkauften Premiere am Mittwoch gab es viel Applaus. Bella, die türkishaarige Ozeanrebellin, nimmt einiges an Verzicht auf sich, um ihrem Prinzen nah zu sein - aber sie gewinnt seine Hand nicht. Bis es doch noch eine positive Wendung für sie gibt.

Liebevolle Inszenierung

Löblich ist, dass das Theater wieder einen im Grundton ernsten Stoff ausgewählt hat. Sich mit Bellas extremem Streben zu identifizieren, fällt trotzdem schwerer als bei mancher Hauptfigur früherer Weihnachtsmärchen und deren Konflikten.

Das Produktionsteam hat wieder eine sehr liebevolle und detailreiche Inszenierung auf die Bühne gebracht. Die Ensembleleistung sowie die Kostüme von Kathrin Hegedüsch und die Bühne von Manfred Breitenfellner sind ein Genuss. Die Bühne zeigt mit Stoffbahnen mehrere Ozeanzonen sowie Strand und Tiefseehöhle.

Bellas bester Freund Gino (Klaus Beyer) ist ein Clownfisch mit italienischem Slang - seine Mutter hatte sich einst im Golf von Neapel in einen Lachs verliebt. Der knallbunte Meeresmigrant führt als Erzähler mit hochgeschobener Taucherbrille durchs Stück. Sein lässiges Radebrechen ist witzig, wenn auch nicht immer optimal verständlich. Schräge Helfer für Bellas Mission sind auch die Pinguine aus der Rockband um Richard (Matthias Fuchs), der einen bluesigen Angelsong ins Fischmikro schmettert (Musik: Peter Friemer).

Manchmal gruselig

Die Meerhexe Obscura (Christiane Ostermayer, auch Großmutter) ist ein glamouröser Oktopus in Violett mit Glitzersaugnäpfen und einem Krebs als Lakaien. Sie lebt in der Tiefsee, die von phosphoreszierenden Quallen bevölkert wird. Hier wird es für Momente etwas gruselig - bis Madame dringend ein Fichtennadelbad fordert und ihre Bedrohlichkeit durch das grüne Klebezeugs witzig gebrochen wird.

Viele Termine bis Januar, Karten: 0561/1094-222.

Video: Ein Video von dem Stück sehen Sie im Laufe des Samstagmorgens an dieser Stelle.

Rubriklistenbild: © Klinger

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