Im Bann der wilden Tiere: Abenteurer Andreas Kieling über seine Extremtouren

Grizzly hautnah: Andreas Kieling beobachtet Graubären beim Lachsfang. Fotos:  dpa/Fischer

Alaska. Australien. Afrika. Andreas Kieling war an Orten, die für viele Menschen Sehnsuchtsorte sind. Doch vergnügte er sich nicht in lauschigen Hotels, sondern kam Tieren und Natur ganz nah. Kieling ist Naturfilmer.

Was er in den vergangenen 25 Jahren auf seinen Reisen durch die Welt erlebt hat, kennt man aus Fernsehsendungen wie „ZDF Terra X“. Andreas Kieling ist der Mann, der auch für die BBC und National Geographic die großen Tiere filmt. In Kassel berichtete der 56-Jährige am Montag von seinen Extremtouren. Davon, dass dort, wo er hingeht, meist noch die Natur das Sagen hat.

Auf einer Großleinwand sind Videos zu sehen – von Grizzlys, Berggorillas, riesigen Salzwasserkrokodilen und von einer Elefantengeburt – alles aus nächster Nähe. Aufnahmen, die, wie der Tierfilmer betont, noch niemandem zuvor gelungen sind. Atemberaubend: Er filmt den Kampf von Wüsten-Elefantenbullen, taucht Auge in Auge mit einem Riesenkrokodil, filmt Bären beim Lachsfang.

„Oft spielen Zufall und Instinkt eine Rolle, aber es gehört auch Erfahrung und langer Atem dazu“, sagt er, während er im Film sein Stativ an abgelegenen Orten aufstellt – mal das Gesicht rot gefroren und Atemwölkchen vor dem Mund, mal mit vor Schweiß tropfenden Haaren, während er einem Orang-Utan auf die Pelle rückt. „Man muss viel über die Denk- und Fühlweise der Tiere wissen. Kein Tier betrachtet uns Menschen als Beute“, sagt er. Und er gibt Hobbyfotografen Tipps: „In der Wüste muss man seine Ausrüstung staubfest einpacken.“

So nah, wie er den Tieren kommt, lässt er auch sein Publikum an sich heran: Der Mann in T-Shirt und Cargohose gibt Einblicke in sein Privatleben. Sohn Erik (23) ist auch vom Abenteuervirus befallen. Man erfährt, dass Kieling eine kleine Landwirtschaft in der Eifel hat und dass seine Ehe nach 32 Jahren zerbrochen ist.

Vor der Kamera ist er zufällig gelandet. Das war in den 90er-Jahren. Er sagt, als Kind habe er die Bücher von Jack London gelesen und wollte Abenteurer werden. Heute weiß er: „Wildnis ist Abenteuer. Abenteuer sind gefährlich – nicht romantisch.“ Davon zeugen seine Narben.

Während immer deutlicher wird, welchen Gefahren er sich aussetzt (eine hoch giftige Schlange in der Hand haltend sagt er: „Wenn sie zubeißt, tut es weh und endet tödlich“), ist er während seiner Live-Show kaum live zu sehen. Er steht kommentierend im Dunkel neben der Leinwand. Später sagt er, „Natur chillt“ und dass sich seine Vortragsreise wie eine Parallelwelt anfühlt. Vor zwei Wochen ist er nach zwei Monaten in Indonesien in Deutschland gelandet und sofort zur Marathon-Tour durch 19 Städte in 22 Tagen aufgebrochen. Ein Mann für Extreme. Und ein Kämpfer für die Natur: Der Mensch sei ein „ambivalentes Wesen in einer ambivalenten Welt“, der den Wölfen keine 15 Schafe im Jahr gönnt, während in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen.

Und der gebürtige Goslarer gibt seinen Zuhörern noch einen letzten Tipp mit auf den Weg aus der warmen Stadthalle: „Gehen Sie viel raus in die Natur, Sie leben in einer tollen Umgebung. Lassen Sie das Handy aus und nehmen ein Fernglas mit. Fühlen Sie sich von der Natur geschmeichelt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.