Bar-Romantik mit Schwung: Sängerin Lyambiko im Theaterstübchen

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Hat eine Stimme mit viel Charisma: Jazz-Sängerin Lyambiko im Theaterstübchen.

Kassel. Mit ihrem dicken Wuschelschopf, ihrer braunen Hautfarbe und ihrer sympathisch-offenen Art wirkt die Sängerin Lyambiko wie eine erwachsene Momo, die Kinderbuchfigur von Michael Ende.

Wie diese versteht auch die in Thüringen geborene Tochter einer Deutschen und eines Vaters aus Tansania, die Herzen zu erreichen. Besonders wenn sie „unbedingt ausbreiten muss, wie ich als Kind von der Klarinette loskam“.

Neben ihrer persönlichen Aura aber besitzt die 34-Jährige noch ganz andere Vorzüge: Im vorigen Jahr wurde sie dafür mit dem „Echo Jazz“ geehrt. Zusammen mit ihrer ausgezeichneten Band, dem US-Amerikaner Marque Lowenthal (Piano), dem Kanadier Robin Draganic (Kontrabass) und dem deutschen Schlagzeuger Heinrich Köbberling hat sie sich nun einer neuen Herausforderung gestellt: Lyambiko singt „Gershwin“. Am Dienstag im ausverkauften Theaterstübchen.

George Gershwin? Als Besucher kommt da Vorfreude auf. Genau das aber macht die Sache für einen Musiker nicht leicht. Es besteht die Gefahr, mit berühmten Interpreten verglichen zu werden, die den Melodien aus der legendären Oper „Porgy and Bess“ und Hits wie „Summertime“ ihren Stempel aufdrückten.

Es gehört also Mut dazu, was Lyambiko nun auf die Bühne bringt. Mut, der belohnt wurde. Schon das Auftaktstück „I Got Rhythm“ ließ vermuten, dass sie dieser Aufgabe gewachsen ist. Der Grund: Lyambiko hat eigene Ausdrucksformen für die Gershwin-Stücke gefunden und gibt zudem auch weniger bekannten Nummern Raum.

Das Resultat: Jazz zwischen Schwung und Bar-Romantik – verschmolzen mit einer Stimme, die im Volumen und Tonumfang eingeschränkt ist, nicht aber in puncto Charisma und technischer Filigranarbeit. Auch für ihre wunderschöne Version von „Summertime“ gab’s viel Beifall.

Fazit: Abgesehen von kleinen Ausnahmen – beim „Porgy and Bess“-Ohrwurm „It Ain’t Necessarily So“ weckte sie Vergleiche mit dem Original, die nicht zu ihrem Vorteil ausfielen – kann man zu diesem Programm nur gratulieren.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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