Duo Ailé in der Kirche in Nordshausen

Barock beflügelt

Kassel. Barockmusik mit Violine und Knopfakkordeon? Das ist ein Anachronismus, der verblüffend gut funktioniert. Obwohl das Akkordeon in der Epoche von Corelli, Vivaldi und Pergolesi noch nicht erfunden war, vermag es die Rolle eines barocken Begleitinstruments auf reizvollste Weise auszufüllen. Wie beim Konzert mit Hildrun-Luise Jauch (Violine) und Mykola Avramchuk (Bajan-Akkordeon) in der Klosterkirche Nords-hausen.

Die beiden Kasseler Musiker, die das Duo Ailé bilden, spielten bestens aufgelegt, ja beflügelt, wie es das französische Wort „ailé“ verspricht, Werke der genannten Komponisten, aber auch weniger Bekanntes. Etwa eine Sonate von Johann Adam Birkenstock (1687-1733), der einst in Kassel gewirkt hat und dessen e-Moll-Stück sich vor Corelli und Pergolesi nicht zu verstecken brauchte.

Insgesamt erfreute das Zusammenspiel durch Elan und dynamischen Feinschliff, wobei die Akustik das Wohlgefallen an der intimen Besetzung noch verstärkte. Die Generalbass-Begleitung des Bajans atmete gleichsam mit den mal fragilen, mal offensiven Geigentönen, schmiegte sich weich an die Melodie, setzte aber auch Akzente wie feine Nadelstiche. Den kräftigen Beifall der 60 Gäste beantwortete der Zugabenblock mit einer Musik, die in ihrer sinnlichen Vitalität manche Verwandtschaft mit dem barocken Idiom ausweist: Es gab Tangos von Roberto Firpo („El Amanecer“) und Astor Piazzolla („Oblivion“, „Libertango“).

Von Georg Pepl

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