Klassik statt Techno: Ein Konzert mit Johann Sebastian Bach im ARM

Barockmusik im Szeneclub

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In der Kellerbar: Walewein Witten (Cembalo, von links), Brea Cali (Tanz), Adriana Alcaide García (Barockvioline) und Lillian Stillwell (Tanz) präsentierten Barockmusik im Szeneclub ARM.

Kassel. Wer klassische Musik hören will, geht dazu selten in den Keller. Für das Vorweihnachtskonzert mit Barockmusik und Tanz, das der Konzertverein Kassel zwei Tage vor Heiligabend im Szeneclub ARM veranstaltet, muss man jedoch ein paar enge Stufen hinab.

Unten an der Kasse gibt es statt Eintrittskarten einen Stempel auf die Hand, wenige Schritte weiter sitzen vorwiegend junge Leute im orangefarbenen Licht, trinken Bier und Wein. Auf der Tanzfläche steht ein rotes Cembalo.

„Ich habe wirklich große Lust, hier zu spielen“, sagt Walewein Witten. Vor drei Monaten hat der Staatstheater-Cembalist zusammen mit der Geigerin Adriana Alcaide García und zwei Tänzerinnen aus der Theaterkompanie das Konzept ausgearbeitet.

„Der Raum ist faszinierend, nicht nur durch die verglichen mit einem Konzertsaal niedrige Gewölbedecke“, meint Adriana Alcaide García. „Auch das Zusammenspiel von Alt und Neu inspiriert uns.“

Mit zwei Sonaten von Dario Castello und Johann Sebastian Bach eröffnen die beiden Alte-Musik-Spezialisten das Konzert, setzen in der trockenen Akustik virtuose und gefühlvolle Passagen gekonnt voneinander ab.

Danach schweben Brea Cali und Lillian Stillwell in beleuchteten Reifröcken von beiden Seiten herein, verwandeln die Musik in eine vom Barock inspirierte Choreografie. In kaltweißem Licht schälen sie sich bald darauf aus ihren Kostümen, antworten der Musik mit kontrolliert-expressiven Bewegungen, während Witten das Cembalo mit einem dissonanten Werk des Niederländers Theo Bruins malträtiert.

Fantasievoll gespielte und getanzte Folia-Variationen bilden den harmonischen Abschluss, es gibt begeisterten Applaus. Auch für die beiden Tänzerinnen ist der Abend besonders gewesen: „So engen Kontakt zum Publikum haben wir oben auf der Bühne nie.“

Von Felix Werthschulte

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