Der Bart ist ab: Kritik zu einem vorbildlichen "Tatort" aus Leipzig

Selten hat man zu Beginn eines „Tatort“ so erleichtert aufgeatmet wie im neuen Fall aus Leipzig. Zuletzt hatte Martin Wuttke als Kommissar Andreas Keppler dieses „Autoschieberbärtchen“ getragen, das nicht nur meine Kollegin verstört hat.

Sie appellierte an die Maskenbildner, den großartigen Schauspieler doch bitte zu rasieren. Nun kam das lächerliche Bärtchen tatsächlich ab. Passend dazu gab es mit „Schön ist anders“ von Regisseurin Judith Kennel und Autorin Kathrin Bühlig einen spannenden Krimi, der vorbildlich in eine gesellschaftliche Problematik einführte, ohne dabei oberlehrerhafter Sozialkundeunterricht zu sein.

Keppler und Eva Saalfeld (Simone Thomalla) mussten den Mord an einem Personalleiter der Leipziger Verkehrsbetriebe aufklären. Vor allem aber ermittelten sie in einer Familie, in der die Mutter alkoholkrank war und deshalb auch der Vater und die Kinder mitlitten.

„Haben Sie schon mal was von Co-Abhängigkeit gehört?“, fragte Keppler, selbst ein Ex-Trinker, den Familienvater Uwe Fischer. Martin Brambach, zuletzt noch der trottelige Polizist im Edersee-„Tatort“ und am Montagabend wieder in einer ZDF-Komödie zu sehen, spielte diesen Fischer in all seiner Hilflosigkeit grandios. Als seine Frau die angeblich letzte Flasche ihres Lebens trinkt, verspricht er seiner Tochter: „Ab morgen wird alles gut.“ Da wusste man aber, dass in dieser Familie für lange Zeit nichts mehr gut sein wird.

Von Matthias Lohr

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