Kaya Yanar mischt in Kassel unwiderstehlich Spaß und Ernst

Nah an der Basis

Wirbt für Toleranz: Kaya Yanar bei seinem Auftritt in der Kasseler Stadthalle. Foto:  Schoelzchen

Kassel. Die Schweizer sind zu langsam, die Russen zu unverschämt, die Deutschen emotional überorganisiert, und die Türken polieren immer noch zu kräftig über ihr narzisstisches Männlichkeitsprofil. Holländisch klingt wie Wackelpudding, Arabisch wie ein Zementmischer, und den Kroaten haben sie die Vokale geklaut. Dass man all diese Vorurteile und Verallgemeinerungen für ein Gefühl der Sympathie füreinander benutzen könnte, scheint absurd. Comedystar Kaya Yanar heißt der Zaubermeister, der den Hasen aus dem Zylinder befreit.

Mit seinem Programm „Live und unzensiert“ bewies er bei seinem Auftritt in der vollbesetzten Kasseler Stadthalle, das es kein besser oder schlechter, sondern nur ein anders gibt. Hinter den Statistiken eines Thilo Sarrazin leben, fühlen und denken Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Dass man mit leidenschaftlicher Oberflächlichkeit und intelligentem Humor der kulturellen Vielfalt Respekt zollt, könnte von größerer Bedeutung sein als die unsäglichen Diskussionsrunden beim Sektempfang mit Krabbenhäppchen. Denn Yanar ist dran an der Basis. Und sein Publikum ist ebenfalls so vielfältig, wie man es sich nur wünschen kann. Alt sitzt neben Jung, HipHop neben Chic, Studenten neben Lehrern. Das Wichtigste: Es ist ein internationales Publikum.

Und alle amüsierten sich prächtig bei Yanars perfekt ausbalanciertem Wellenritt über die multikulturellen Befindlichkeiten. Er übersetzt gekonnt seine Alltagsbeobachtungen in eine expressive Körpersprache, verfügt über reichlich Spontaneität und sinniert im Wechsel von Slang zu Hochdeutsch über allseits bekannte Banalitäten. Sein Axiom: „Als ich als kleiner Junge Freunde haben wollte, war denen egal, wo ich herkam. Die interessierte nur, ob ich gut Fußball spielen konnte.“ Ein wenig kokett, nie arrogant, unwiderstehlich sympathisch und leicht verdreht, hat Kaya Yanar auch für Kollegen wie Django Asül und Bülent Ceylan das Feld bereitet. Gemeinsam werben sie für Toleranz und Offenheit im Umgang mit Herkunft und Lebensstandort, und dem öffnen sich auch die deutschen Zuschauer mit wachsender Begeisterung.

Von Andreas Köthe

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